
Weglesen
088. Das eigene Ding
Der Ball macht sein eigenes Ding. Die Bahn sowieso. Ja, die ganze Welt lässt den Dingen ihren Lauf. Jedes Ding macht sein eigenes. Sachen wissen, was Sache ist.
Der dinglichen Welt ist die Selbstermächtigung von Gegenständen eingeschrieben. Ihr Eigenleben anzuerkennen befreit von Erwartungen. Die Fußballernden vom Einfluss ihrer Ballbehandlung. Die Zugführer von den Folgen ihres Schaltens und Drückens. Ja, alle, die ein Leben führen, von Überlegungen zu ihrem Trachten und Tun.
Zuletzt mag sich sogar der Mensch ermächtigen, indem er selbst zum Ding wird. Und sei es nur zum Objekt dieses, seiner Eigendynamik zum Opfer gefallenen, Textes.
087. Das letzte Wort
Hast du nicht das letzte Wort, hat es jemand anderes. Dein Wort trifft zu, sonst wärst du anderer Ansicht. Und weil das Letztgesagte am besten im Gedächtnis haftet, muss es von dir sein. Qua dessen bist du gezwungen, dich zu wiederholen, bis alle anderen verstummen. Bis alle Tastaturen einen Ermüdungsbruch erleiden. Bis die Besitzer durch vielfaches Schlagen auf die eigene Stirn k. o. sind.
Es wurde schon alles gesagt, aber von dem einen öfter als von den anderen.
Das Rechthaben macht dich zur Deutungshoheit in persona. Ja, zum Herrscher über die Wiederholungstaste.
Damit nichts in Vergessenheit gerät, muss hier alles noch einmal stehen. Zu einer Endlosschleife passen eine Dauerwurst und ein Kreislauf-Bier. Und zum Schluss das letzte Wort.
086. Soll man handeln?
Soll man handeln oder tun?
Soll man rasten oder ruh'n?
Soll man sich in Nichtstun üben?
Oder jetzt von hier nach drüben?
Soll man solche Fragen stellen?
Soll man heut' den Mond anbellen?
Soll man überhaupt noch sollen?
Soll man dürfen oder wollen?
Soll ein' solch ein Nonsens stören?
Muss man Quatsch zuende hören?
Muss Verbote man verbieten?
Muss solche Witze man bald mieten?
085. Aufregung
Für den Algorithmus ist Aufregung Programm. Die Welt versinkt im Kot, weil der Code es so will. Er befeuert die Wolle, in die man sich kriegt, zu einem Lauffeuer, in dem man nicht gut herumrennt. Für Getrampel sorgt bereits der obligatorische Elefant im Raum. Da strapaziert gehört der Raum geweitet, das Strittige um andere Aufreger ergänzt, alles Streitbare bestritten.
Mit den sozialen Medien hat der Mensch das seit jeher ersehnte Perpetuum mobile geschaffen. Eine Maschine, die im gleichen Atemzug Porzellan herstellt und vernichtet. Durchatmen, aber in schlechter Luft.
Grobstaub ist keine feine Sache.
Ein Text über Aufregung ist mit Adrenalin auf Anschlag zu verlassen. Wer diesen Unsinn gelesen hat, hebt auch frischen Kleber vom Boden auf, glaubt an Hundelosungen und kühlt seinen Hitzkopf mit Eisbein.
084. Videobeweis
Wo einer zupft am Leibchen-Zipfel
Muss Gerechtigkeit an ihren Gipfel.
Im Standbild wird der Lauf seziert,
Denn Armflaum hat den Ball touchiert.
Man prüfe nicht nur Spiel und Tor,
Man filme auch, was außen vor.
Vermessen werde und benannt,
Wer beim Büffet im Abseits stand.
Wer hat das Eisbein hoch gechippt?
Wer hat den Fuß ins Mus gedippt?
Wes Härchen fiel auf Schokobirn,
Der Schiri hat es auf dem Schirm.
Wer tat auf Video bekunden
Dass er den VAR erfunden?
Wer ließ den Messgeist aus der Flasche?
Wer sei gesperrt bis dass er Asche?
083. Zentrum des Universums
Du bist das Zentrum des Universums, aber nur du weißt es. Den anderen acht Millarden Menschen wird ein Bewusstsein nur vorgetäuscht. Der Rest der Milchstraße hat keine Ahnung, dass unser Sonnensystem mit seiner Randlage den Mittelpunkt bildet. Als Kulisse deiner Existenz leistet sich das Weltall noch hunderte Milliarden weitere Galaxien. Alle anderen Zivilisationen da draußen ahnen nichts von dir, noch schwant dir von ihnen, und dennoch bildest du ihr Epizentrum.
Zwar lebst du gedanklich in einem Paralleluniversum, doch ist die Hierwelt okay damit, dass du auf ihrem Thron sitzt. Dafür könntest du sie respektieren, aber wer mag dich fürs Gegenteil zur Verantwortung ziehen? Somit hast du den lang ersehnten Gottesbeweis erbracht. Dafür gebührt dir maximale Anerkennung von höchster Stelle, also von dir selbst. Auf dem Olymp wäre es einsam, säße da nicht die Dreifaltigkeit Me, Myself and I.
Offenlegung: Dieser zentralistische Text ist inmitten des Hirns seines Autors entstanden.
082. Kontinent auf dem Kontinent
Die Antwort auf Inkontinenz lautet Kontinenz. Doch es verfestigt sich bloß die Einsicht, dass sich Inkontinenz kaum verdauen lässt. Die Textur der Geschehnisse auf den Kontinenten hindert diesen Text daran, die Contenance zu wahren. Grobschlächtige Mächte treffen auf windelweiche Politik, kraft derer alle auf den Stühlen kleben. Doch je klebriger die Materie, je mehr bildlich verkackt, umso appetitlicher gilt es, den Saustall aufzubereiten. Konsistent zu argumentieren, obgleich das Inkontintente über das größere Kontingent verfügt.
Mittels Pipikaka-Humor mag man kräftig hinlangen, doch haptisch ist die sprühwurstige Realität nicht zu fassen. Versuche, den Weltenlauf einzudicken, enden schlonzig wie Essensreste im Ausfluss. Obschon dieser Text im vermanschten Fluss seiner Gedanken steckenbleibt, kristallisiert sich eine allgemeine Spülempfehlung heraus. Und an die Macher flüssigen Wetters ergeht die Bitte, auf die von Verdauungsfehlern geplagte Welt Parfüm regnen zu lassen.
081. Erfolg
Erfolgreich eine Straße überquert, erfolgreich einem Meeting beigeschlafen, erfolgreich die Toilette besucht. Erfolg erfolgt durch Selbstzuschreibung, und das E-Wort steht erfolgreich auch in diesem Satz.
Müßig zu sagen, aber schon jetzt darf dieser Text als erfolgreich gelten. Mangels einer anderen Kategorie droht kein Misserfolg. Man muss also bloß mit Erfolg zurechtkommen - und kann auch darin nur erfolgreich sein.
Die erlösende, finale Erfolgsmeldung lautet, dass dieser Text nun geschafft ist. Wenngleich sein Erfolg bloß darin besteht, dass eine weitere Folge erfolgte.
080. Gedankenkarussell der Aufklärung
In jedem Ding ist das Gegenteil angelegt. Im Morast die Sumpfblume, in der Aufklärung die Lüge, im Rharbarber der Wohlgeschmack. Horkheimer und Adorno wollten, dass ihr Gedanken-Origami weiter entfaltet werde. Dass der Papiertiger ins kalte Wasser der Ursprünglichkeit springe, dass Paragraphen-Blätter zu Ornamenten werden und schiefe Bilder gerade gerahmt. Roboter zu Gespenstern und Stuss zu Geist.
Jedenfalls rät die Dialektik der Aufklärung davon ab, aus der Mundart eine Kunst zu machen. Sie schaut dem Volk aufs Maul und versteckt die Botschaften in Maultaschen oder auch nicht. Sie ruft den Menschen zum Menschsein auf, doch nicht zur Unmöglichkeit des Übermenschlichen. Unterirdisches will beackert werden oder Außerirdisches im Erdkern versteckt. Der Geist mag in seiner Gedankenvielfalt Karussell fahren, das Stoffliche transzendieren oder beschließen, sich neue Kleider zu kaufen. Er mag am selbstgezeichneten Wimmelbild verrückt werden - oder den Händen auftragen, sich aufs Haupt zu schlagen.
Am Ende dieser gefühligen Buchstabensammlung steht ein Satz, der überhaupt nicht weiß. wo er hinwill - außer an diese Stelle.
079. Lustwandel
Die Gesellschaft befindet sich im Wandel von Wanderlust zu Lustwandel. Wanderte man neulich noch, so möchte man heute abgeholt werden, wo persönlich stehen geblieben. Die ungelüftete Volksseele tritt auf Eingewanderte ein. Sie tritt auch auf der Stelle, denn mit Auswandern hat es der Unbewegliche ebensowenig. Der eigene Sumpf lässt ihn untenrum feststecken. Der Mief im Gemächt wird zum Verhütungsmittel und aus Lust und Liebe die Woll-Lust, sich in die Wolle zu kriegen.
Der Heimeligen fällt das Dach ihres Schneckenhauses auf den Kopf. Erlösung findet sie im Untergang, im selbstinszenierten Passionsspiel. Doch der Akt der Wiederauferstehung entfällt aus Faulheit.
Ohne Wanderlust bleibt alles stehen. Der Hormonstau, der erigierte Zeigefinger - und dieser Text auf halber Strecke.
078. Meinungspflicht
Die Erde ist rund, die Erde ist flach, die Erde ist erdig. Meinungsfreiheit meint die Freiheit der Andersmeinenden - aber nur, falls etwas gemeint wird! Kein Apfel ist nicht ein Apfel, und eine Nichtmeinung stellt keine Meinung dar.
Über die Meinungspflicht gibt es keine zwei Meinungen. Eine Ansicht ist leicht zu haben, sie braucht keine Ansicht des Gegenstands. Ein Stoff kein Anfassen, um ihn als schlecht zu begreifen. Erachten geht ohne Achtung, Gesinnung ohne Sinn, und Dafürhalten heißt dagegenhalten!
Meinungsexhibitionismus bezeichnet den Mut, gedanklich blank zu ziehen. Der nackte Kaiser kommt ohne Worte aus, sein Statement ist die Nacktheit. Und dieses Ende entblößt sich in der Leere seiner Worte.
077. Moral
Der Vorwurf der moralischen Überlegenheit speist sich aus der Überlegung der Überlegenheit von weniger Moral. Moralverzicht lässt einen mit Missständen besser klar- statt gegen sie ankommen. Ohne Moral mehr Nachfrage nach Mitgefühl, aber kein Angebot. Amoralisch gebraucht haut die Moralkeule am härtesten rein.
Wie alles Unperfekte soll Moral besser gar nicht existieren. Das mit dem Bade ausgeschüttete Kind mag weinen, aber ohne Empathie lässt sich dies ertragen. Anstand hat hinten anzustehen, eine Haltung zu haben ist haltlos, denn niemand hat ein schnurgerades Rückgrat. Lauterkeit ist unlauter, Sitte unsittlich, und anstandslos lässt sich sagen: Dieser Text erringt noch nicht mal einen moralischen Sieg.
076. Autor und Steinmetz
Die blankesten Klinken gehören am meisten geputzt. Verlage lassen sich das Polieren bereits mehrfach glänzender Türgriffe gefallen, aber dich trotzdem nicht rein. Gewähren sie deinem Werk dennoch Einlass ins Sortiment, so findet es nach zwei, drei Jahren seinen Weg ins Altpapier. Frisch geschreddert werden die Papierfasern deines Buches zu einem anderen Buch resampled.
Doch vielen genügt das nicht. Ihr Text mag besser nachhalten, wenn in Stein gemeißelt. In Granit gehauene 1000-Seiten-Romane sind gut sichtbar und harren einer endlich für die Ergüsse reifen Nachwelt. Oder du vertraust deine Steinplatten einer Höhle an - und den Schlüssel zu ihrem Tor einem Notar, dem du noch in vielen Generationen vertraust. Hoffe, dass deine Texte gut altern. Dass künftige Zeiten noch dieselbe Sprache sprechen - und man im diskreten Nachlass der Steintafeln deine Bescheidenheit erkennt.
075. Baumhaare und Haarbäume
Haarige Wortspiele halten die verkopfte Profession der Haarbeschneidung im Schwitzkasten. Aber festliche Weihnachts-Frisuren entstehen nicht durch hairbeigezoge Bilder, sondern durch haargenaue Beschreibungen. Der frisurtragende Kopf fungiert sogar als Weihnachtsbaum fürs ganze Jahr, denn von der Opolenz von Strähnchen, Klammern, Reifen und Diademen kann manch Weihnachtsbaum noch etwas lernen. Dabei reden wir noch nicht über Extensions, Pferdeschwänze und Wasserfallzöpfe.
Wir reden über eine Frau, einen Mann wie einen Baum. Über Haarkugeln, Baumkämme und die längere Haltbarkeit durch Einsprühen. Wir sprechen aber auch über die Chancen, die Baum und Haar trotz Vergänglichkeit bleiben. Über Mittel, um brüchig gesprühte Strähnen, Schütter-Haar und teilbenadelte Baumgerippe gleichwohl festlich zu gestalten. Am Restbestand sehen Weihnachtskugeln und Holzfiguren nicht aus; und doch lässt sich das Nadelhaar in goldene Mikroringe hüllen, in Kristallstäbchen, Spiral-Ornamente und Schokoröllchen. Für die Lücken wurde neulich Streuhaar erfunden. Wie Schneeflocken legt es sich auf Haarinseln, und grünes Streuhaar dient als selbstklebender Nadelersatz. Bliebe noch über Einzelhaar- und Einzelnadel-Schmuck zu reden. In ähnlich spröden Worten, aber nicht in diesem Jahr.
(Dieser Text erschien zunächst als Beitrag zum Adventskalender der Büchereulen.)
074. Fit durch Fernsehsport
Bewegung bringt den Körper ins Wanken. Die durchgeschüttelte Hirnmasse gibt neue Gedanken frei, aber nicht den an die Folgen: Denksport, Neuronenfeuer, kognitiver Kurzschluss. Dem geplagten Hirn fällt nichts Besseres ein als weiteres Sporteln, neuerliches Hirnjogging und ein Herumrennen in diesem Teufelskreis.
Die Alternative TV-Sport trainiert den Sitzmuskel unter Schonung von Gelenken und Gehirn. Schon fünfzehn Minuten Sport schauen verkürzt die verbleibende Lebenszeit um eine Viertelstunde. Ob Langlaufen, Streams von Hanteltraining oder Schachboxen, nach Intervalltraining mit stetig reduzierten Pausen ist man fit für ein 24h-Rennen im Sitzen.
Für den Pro-Watcher müssen es am Ende gar keine Sportsendungen mehr sein. Die gründlich durchgesessene Couchpotatoe ist schließlich mürbe, gar und durch. Zum Sitzfleisch passen herzhafte Canapés und eine Sportzigarette.
073. Grüße aus Malerhofen
Feierabend. Der Bergdoktor hat ausgeheilt und lustwandelt vom Hang herunter. Am Rand der Fichten putzt sich eine Ameise. Unten auf dem Ludwig-Ganghofer-Platz nehmen die bezahlten Urviecher ihre Gamsbart-Hüte ab. Sie ruhen sich vom malerischen Herumsitzen aus. Im Café Herzsprung wird nicht mehr gebusselt, die kräftige Katze macht die Tortenreste des Tages klar. Der Dorf-Bernhardiner latscht über ein Plüschmurmeltier. Hinter dem Flauschtaler Kogel hat der Sonnenuntergang seinen Fotodienst verrichtet. Am Gasthof lüften die Lüftelmalereien aus, und die Geranien bekommen ihr Prachtrot erneuert. Das Trottoire wird aufgerollt. Auch für die Platzhirsche beginnt nun die Schonzeit.
072. Spiegelblick
Dein Spiegelbild ist angesichts des Abgrunds dahinter das Antlitz Schneewittchens. In Anbetracht dessen jede Falte in der Visage tiefer Grund zur Freude. In der Untiefe des Unbewussten wabert schwarzer Pudding mit Rharbarbersauce. Verwirrender als verknotete Laserstrahlen, schmerzhafter als wenn sich eine Katze in den Schwanz beißt.
Dein Innerstes ist der Horror-Film, der keinen interessiert, der Schimmel in der lichtresistenten Kammer. Die beste Version deiner weiß nichts von dir. Sie lässt im Oberstübchen die Kellerluke zu, bis es im Tiefgeschoss Grund zum Lachen gibt. Bis die Seelenklempnerin dort lustig ins Klo greift.
Das Innen, es gehört außen vor. Darauf der Mantel des Schweigens - und dieser sofort in die Wäsche.
071. Das alternative Ayurveda
Zucker zieht Vernaschung nach sich. Als bittersüßes Zellgift schenkt er nicht nur beim Pudern schnelle Energie. Salz ergänzt den Segen des lieblichen Rübenpulvers. Die Natriumkörner pimpen den Blutdruck und bekämpfen die Schleimigkeit der Magenhaut. Vier weitere Komponenten komplementieren das Alternative Ayurveda. Essig gibt dem milchigen Zahnschmelz Saures, Glutamat und Hefeextrakt pushen die Nerven, und E-Stoffe hauen sonstwo im Körper rein. Jede Zutat eine niedrig hängende Frucht guten Geschmacks, zusammen ein Wirkungscocktail für ein intensiveres Leben. Das System erfährt Heilung in Hyperventilation, die Biographie Komprimierung. In der Kürze liegt die Würze von Essig bis E-Stoff. Am Ende winkt als Zuckerl ein schneller absolviertes Leben.
070. Bots gegen Bots
Auf den Kauf folgt die Reklamation. Automaten sind robuste Beschwerdenehmer, aber auch zähe Beschwerdegeber. Deshalb schicke man statt seiner Endlosversteher gegen Endlosversteher ins Gefecht, BattleBot gegen Neinsager-Code oder umgekehrt. Die Maschinen mögen untereinander ausmachen, welcher Algorithmus sich für wen und was bewährt und am lustigsten Strom verschwendet.
Der Stellvertreter-Konflikt schenkt Zeit und Muse für wieder mehr Streit im richtigen Leben. Erweiterungen von Körper und Geist helfen, ihn siegreich zu gestalten. Humanismus, aber als Transhumanismus. Augmentierungen schärfen die Augen, wenn Mensch und Maschine sich gemeinsam für das Kompetetive engagieren. Fällt man im Kampfe, so stirbt nur der humane Teil des Duos. Exoskelett und Neuroimplantat überleben. Der Kampf geht weiter.
069. Theater machen
Theater besuchen ist gut, Theater machen ist besser. Manche besitzen die Gabe, ein Theater zu veranstalten, ohne jemals eines zu besuchen. Fortgeschrittene machen aus ihrer Kunstverachtung eine Szene und führen den Klassiker "ich darf nichts sagen" als performativen Brüller auf. Die Dramaqueen lädt andere zum Monolog ein. Über die Bretter vor dem Hirn, die ihr die Welt bedeuten.
Doch die hier abgezogene Show demaskiert sich wie eine abrutschende Perücke! Sie lässt den Vorhang auf andere fallen und bewirft den Elefanten im Raum mit Porzellan. Dem Autor dieser Zeilen mögen Souffleuse und Friteuse versagen, ihn soll das Rampenlicht verbrennen und der Applausautomat von der Bühne buhen!
Wo nun endgültig der Käse gelutscht und das Loch in ihm nicht gestopft ist, stelle man sich als versöhnlichen Epilog einfach nur Stille vor. Und ein Pantomine-Schauspiel, zu dem Augenklappen gereicht werden.
068. Maschinelles Lernen
Lernen ist eine gute Sache, solange man nicht umdenken muss. Zwecks kognitiver Ökonomie lernt besser die Maschine für einen. Transhumanismus heißt, dass es genügt, wenn die maschinelle Erweiterung des Homo sapiens weise und vernünftig ist.
Auch in Ordnung: Der Mensch lernt, aber handelt danach wie eine Maschine.
Selbst wenn das in dem Hybrid verbleibende ursprüngliche Selbst mit seiner Unterlegenheit nicht klarkommt, muss es sich nicht grämen. Am Ende des Prozesses darf es sich selbst auflösen. Der Buddhismus hat einen neuen Weg zum Nirvana gefunden. Zwar muss er nun neu geschrieben werden, jedoch nicht von einem Menschen.
067. Sterneküche
Im Zeichen der Michelin-Sterne Geborene können gut kochen. Ihre Sterne-Küche strebt mit Baiser-Wölkchen und Schaum aus Sternanis gen Himmel. Obschon auf Leichtigkeit bedacht, braucht die Haute Cousine die Schwerkraft, um die hochtrabenden Essenstupfer auf dem Teller zu fixieren. Andererseits tut Starsinn gut, um über den Status des grauen Stars hinaus zu kommen.
Astro, Gastro,
Klo, froh
Zur Galaxiemeisterschaft eingeladen wird die erste Küchenchefin, die Wolkenkuckucks-Eier mit einer Sternschnuppe flambiert. Kochen mit Kometenwasser und Zutaten, die mit dem Raumschiff geliefert werden. Bis es soweit ist, wird als Gruß aus der Erdenküche ein Milky Way ins All geschossen.
066. Pflanzen-Performance
Vegetarisches muss wachsen, aber darf nicht vegetieren. Bonsai-Bäume erzielen mit Nullwachstum Wucherpreise. Obstbäume liefern Früchte ab, Pusteblumen Flugkilometer und Fleischblumen eine vegane Zutat. Flora füttert Fauna, während fleischfressende Pflanzen, Fleischpflanzerl, zurück fressen.
Photosynthese: Jede Pflanze fotografieren, aber nur jede zweite ins Netz stellen.
Pflanzen erbringen ihre Leistung, indem sie ernähren und vergiften. Indem sie grüne Daumen machen, sich hoch skalieren und Sonnenstrahlen in Unkraut verwandeln. Würgepflanzen hängen sich performativ an den Wachstumserfolg von Bäumen dran, Kannenmonster brillieren als Imitat benutzter Kondome, Aasdufter ersetzen einen Schlachthof.
Wo das Pflanzenthema nun ausgeschlachtet ist, stelle man sich zuletzt einen Komposthaufen vor. Und auf diesem verwelkte Elefantenohren.
065. Gerichte aus dem Farbtopf
Farben sind der bunte Tupfer im Grau des Alltags, die gelbe Pfütze im Einerlei der Schneelandschaft, das Ketchup-Rot in der blutleeren Routine. Farben entstanden, als Malkästen mit Grautönen bei Kindern floppten. Die Racker malten einen Papageikuchen, Lebensmittelfarben wurden Pflicht, und an Ostern hatten die Hasen bunte Eier zu legen,
Grüne Pepperoni verstärken die rote Gesichtsfarbe, und kalte Farben gehören warmgemacht.
Über Geschmack lässt sich nicht streiten, aber über den von Essen. Köchinnen, denen das zu bunt wird, brutzeln lieber im Fernsehen. Ob Forelle blau oder kolorierte Frühlingsrollen, Zuschauer-Beschwerden sind haltlos, solange der Geschmack nicht in die Wohnzimmer übertragen wird. Doch schon gegen Geruchsfernsehen würde (mit faulen Eiern) protestiert, müsste man doch anschließend lüften.
Gerne Beanstandungen zu diesem Beitrag, jedoch keine Textkritik!
064. Ölfaktor der Olfaktorik
Einen Geruch muss man riechen können. Insbesondere brauchen Schnüffler einen Riecher für das Ruchbare. Sie wissen die diversen Düfte eines Weihnachtsmarkts, den nasalen Ersatz einer Magenverstimmung, zu schätzen. Die olfaktorische Analphabetin dagegen läuft achtlos durch Parfümwolken.
Safran, Sandelholz und Oud
mit Rosenöl zu einem Sud.
Um die Aromen zu konservieren, fangen Öle, so wird es einem auf die Nase gebunden, die Moleküle ein. Jasminblüten und Moschusochse, eingesperrt im Reagenzglas. Beliebte Männerdüfte empfinden im Labor Motorenöl nach, statt es direkt abzufüllen. Doch erst der Treibstoff von Speiseöl-Autos macht einen zum Angebot, vernascht zu wer
063. Digitaler Detox
Die Reinigung des elektronischen Selbst gelingt analog zur analogen Entgiftung. Knoblauch vertreibt stänkernde Zeitgenossen, Zartbitter-Schokolade Verbitterung, und gegen digitalen Overload sind Apps die Lösung. Am besten hilft der seinerseits toxische Detox, der Ekel vor dem Suchtmittel oder einfach ein Handy game in der Bildschirmpause.
Hat's in dir gegärt, gefault
Streich' Fermentiertes auf die Haut.
Das Netz vergisst nicht, dass es seine eigene Lösung ist. Entschleunigtes Surfen und maximal viel Lebenszeit erledigen. Wie in der anders toxischen Zeit, als www noch für "weltweites Warten" stand. Hernach ist es im Real life besser geworden, oder es ist nicht mehr so viel davon zu absolvieren.
062. Satan, der Greise
Es war einmal der Vater Satan. Satan besaß einen wertvollen Ring, dessen Zauber seinem Besitzer die Fähigkeit schenkte, Menschen höllische Angst einzujagen. Vater Satan hatte die drei Söhne Teufel, Belzebub und Luzifer. Da er alle drei gleichermaßen hasste, wollte er jedem den bösen Ring vermachen. Doch weil er nur einen hatte, ließ er zwei identische Kopien anfertigen. Lange verstanden sich Teufel, Belzebub und Luzifer ausgezeichnet, weil sie alles verachteten, was gut war. Doch nachdem Vater Satan gestorben war, stritten sie darüber, wer den echten Ring geerbt hatte. Ein Henker erklärte ihnen, dass man nicht durch das äußere Zeichen des Rings, sondern durch Gemeinheit, Niedertracht und Grausamkeit zeigt, wer wahrhaft böse ist. Die drei verstanden. Beim Ehrenmal zum ersten Todestag des Vaters schütteten sie einander, jeder den beiden anderen, Gift in den Satansbraten. Und da sie gestorben sind, leben sie nicht heute.
061. Oute Outfits
Ein Outfit muss die Erwartung anderer bedienen - und bei Fehleinschätzung ein Missverständnis. Entweder kommt zum Tragen, was trendgemäß trägt - etwa Kettenhemden, solange Menschen von Kettenhemden gefesselt sind, oder man trägt dick mit dem Gegentrend auf: altmodische Mode, Aufgetragenes und althergebrachte Anziehsachen.
Doch die Wahrheit ist komplexer als die Schichten eines barocken Rocks.
Der letzte Schrei ist oft zum Schreien, in Berlin bekommt kontra, wer keine konträren Outfits gleichzeitig trägt, und In-Sein gilt zurecht als out. In der täglichen Klamotten-Klamotte gerät man durcheinander wie ein Altkleider-Container. Doch mag man sich zwischen gesehen werden und nicht gesehen werden für beides entscheiden - und eine Gesichtsmaske tragen. Das beste Kleidungsstück ist aber die Tarnkappe.
060. Energieerhaltung
Der Energieerhaltungssatz garantiert den Erhalt von Energie. Die Erhaltungsgröße darf in alles umgewandelt werden, zum Beispiel in Widerstand gegen erneuerbare Energie. Was im Streit mit Zukunftsinteressierten nicht als Shitstorm auf Windkraftanlagen herabregnet, bleibt als Wärmeenergie erhalten.
Energieerhaltung empowert alle - auch die, deren Energie im Alter noch erneuert wird.
Menschen halten mit ihrem Dafürhalten dagegen. Der Strom, unter dem man steht, muss komplett verbraucht werden, denn so wird auch die Streitpartnerin ihre Energie los. Nur bei der Schlusspointe gehört gespart.
059. Die Einrichtung vermöbeln
Ein krachender Streit übers Mobiliar ist Startschuss zur neuen Einrichtung. Wer es sich einrichten kann, hat das Geld für neue Möbel und ein neu bestreitbares Zuhause. Wer drinnen das Draußen braucht, holt sich als Globetrotter ein Zeltdach, als Bergsteigerin eine zerklüftete Wohnlandschaft und als Wanderer wenigstens einen begehbaren Kleiderschrank. Für erdigen Cowboy-Chic und Ranch-Style reicht es, die Fußmatte vor der Wohnung abzuschaffen.
Spieglein, Spieglein auf dem Land,
wer hat die schönste Einbauwand?
Fazit: Beim Meublement kann alles, was gekonnt ist. Und es darf alles, was gewollt ist, aber nur, wenn man so will.
058. Probleme vergrößern
Schon der berühmte Politik-Anbieter Dwight Eisenhower wusste um den Kniff, das Problem, welches zu lösen man ungewillt, stattdessen größer zu machen. Gelingt es, die Kuh auf dem Eis zu vermehren, lässt sich argumentieren, dass dann gegen mehrere Kühe auf dem Eis gar nichts mehr auszurichten sei. Bei großem Druck und argumentativ dünnem Eis weicht man auf eine kleine Herausforderung aus. Klimakollaps ja, aber schuldenfrei; Kühe auf dem Eis, aber keine chinesischen E-Autos.
Lösungsmittel lösen keine Schulprobleme, aber Schmierereien von der Klowand.
Wer nicht einsehen möchte, dass Not keine Handlung erfordert, möge Mäuse melken, begossene Pudel waschen oder Eseln eine Brücke bauen. Besser als nichts tut man etwas für die Galerie - und klebt ein Trostpflaster auf das schlechte Bild, das man abgibt.
057. Gespenstisches über den Weltgeist
Ein Gespenst geht um, der Weltgeist. Als weltlicher Gott übertrumpft er in seiner Wirkmacht alle geistlichen Gottheiten. Obschon er keine Religion stiftet, keinen Hokospokus anbietet und überhaupt fast niemandem bekannt ist, begründet auch bei ihm die Unergründlichkeit Existenz und Handeln.
Der Weltgeist führt die Menschheit auf den Holzweg, den er noch mit Bananenschalen auslegt. Er macht den Leichtmatrosen zum Kapitän und in die Kajüte des sinkenden Schiffs stellt er noch seinen Koffer.
Die Spirituose ist der Rektor seines Spirits. Der Weltgeist agiert als beschwipster Geist aus der Flasche, die er selbst geöffnet. Unfasslich, obwohl dem Fasse zugetan; ungreifbar wie die Luft im Loch des Käses, den er macht; ungestüm wie ein Hobby-Chirurg. Ja, so wunderlich wie dieser Text.
056. Realitätskritik
Die einen argumentieren wider die Fakten, die anderen kritisieren den Fakt, dass es die Faktenleugnung in die Realität geschafft hat. Wo faktisch die Lüge regiert, ist die Wahrheit in eine Wirklichkeit geraten, in der sie mit der Realität kollidiert.
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So redlich, wie sich diese Realität Kritik verdient hat, so realpolitisch muss die Kritik erfolgen. Läuft es schlecht, liegt es nicht am Hamsterrad, sondern an den Laufschuhen.
Als Unzufriedener mit dem aktuellen Weltlauf bist du nur Verlierer einer Lotterie, unter sich ständig verzweigenden Universen im schlechtesten gelandet. Statt dich über dieses Paralleluniversum zu grämen, freue dich für alle Kopien deiner, die eine bessere Abzweigung erwischt haben. Sei also nicht selbstsüchtig und heule nicht in solch einem Text herum!
Zu dieser zusammen gerührten Behauptung passen Scheiterhaufen und ein Glas liebloser Wein.
Das Thema Essen nagt an einem, frisst einen schon beim Kauen auf. Essen, um zu sein, und essen, was man ist: Fleisch, Blut, Fett, Suppe, Pudding. Die Obsession der optimalen Ernährung kostet Kalorien und erfordert weitere Nahrung. Ein leerer Magen studiert nicht gern Kulinarik. Ja, er kann sich noch nicht mal umdrehen. [Passender Schlusssatz, um an das nächste Thema zu übergeben.]
055. Methoden des Alterns
Die Methode des schlechten Alterns erfreut sich häufiger Anwendung, hat aber einen unguten Ruf. Vergangene Meriten ermächtigen den schlecht Gealterten zu Deutungshoheit. Der alte Kaiser ist nackt und braucht sich dabei nichts zu denken
Wie wollen junge Menschen ermessen, ob Altersweisheit darin besteht, die grauen Zellen hintenraus Gräuliches denken zu lassen? Wer, wenn nicht die Altvorderen, hätte Zugang zur Erkenntnis, dass es am Ende des Lebens darum geht, sich von den Fesseln des Denkvermögens zu befreien? Ist es unsportlich, wenn der erlahmende Intellektuelle nach den tiefsthängenden Früchten greift?
Die mancherseits eingeforderte Methode des guten Alterns übersieht, dass es Greisen keine Lust beschert, auf unverstandene Veränderung gutmütig zu reagieren. Völlig an der Realität vorbei geht das würdevolle Altern, wie schon der Konjunktiv des "würde" zeigt.
Warum also gehört das eigene Denkmal nicht besudelt, falls sich dadurch Errichtung und Bestrullung von vornherein verhindern lassen?
054. Essen geht durch den Magen
Ernährung ist Religion, umfasst aber mehr als Hostien und Messwein. Ob Gemüse, Fleisch oder Pillen, ob satt trinken mit Starkbier oder den Durst besiegen mit verwässerten Speisen. Ob Magendehnung in Fress-Wettbewerben oder hungrig bleiben dank Diätkost: Das Thema Ernährung sättigt alle, und über Gerichte gehört gerichtet.
053. Perspektivwechsel
... gefährdet den Glauben, dass die eigene Wahrnehmung die einzig richtige ist, ja, das Grundbedürfnis nach Streit. Die Fremdsicht öffnet aber auch eine Gedankenwelt, in der ein Minus ein Plus ist und ein Nazi ein guter Mensch. Sie schenkt gespenstische Einsichten und die Weitsicht auf ein Paralleluniversum, in dem Hirngespinste wahr sind.
Aus der Sackgasse dieses Texts befreit die Flucht in die Fluchtperspektive. Wie eine Malerin vereinigt sie alle erdenklichen und unerdenklichen Standpunkte, indem sie in der Ferne alles zusammen fließen lässt. Es wird das Bild einer Welt gezeichnet, in der alles eins ist, nämlich ein diffuser Brei. Ein Gedanke, der in der nebelhaften Innenansicht des Autors entstanden ist.
Zu schlechter Letzt darf dieser Ritt durch allerlei Anschauungsweisen für sich in Anspruch nehmen, überhaupt keine Perspektive aufzuzeigen.
052. Pro und für Kinder
Sollte man noch Kinder in diese Welt setzen, oder sollte man den in die Welt geworfenen Nachwuchs später selbst entscheiden lassen? Ob es richtig war, ihn auf diese Erde zu droppen. Egal, welcher Meinung du bist, es gilt: nicht überzeugen, nur zeugen!
Kinder wiegen ist nicht schwer, kriegen sie kein Zucker mehr.
Kinder werden heute mehr benötigt denn je: als Objekt von Beschulung und Leistungsfetisch, als Überperformer bei Sport und Spiel, als Supersprinter schon im Laufstall und Leidtragende schwerer Schulrucksäcke. Als bessere Version seiner selbst und Projektion des eigenen Versagens.
Kinder, die als kleine Erwachsene behandelt werden, sind später in der Lage, auch bei den eigenen Kindern eine echte Kindheit zu verhindern. Damit erfüllen sie den Generationenvertrag der Problem-Vererbung an Kinder und Kindeskinder. Zur Schultasche, die aufs Rückrat drückt, kommt noch ein Rucksack psychischer Lasten.
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Wer mit seinen Kindern so kindlich-unreif umgeht, gönnt sich selbst, kindlich durchs Leben zu gehen und zieht Kinder auf, die im Kindkörper erwachsen sein müssen. Gelingt dies jedoch, mögen die Kinder ihre Eltern zu einer kindgerechten Erziehung erziehen.
051. Der Nichtgott nimmt es nicht
Selbst dem bösesten Menschen darfst du nicht den Tod wünschen. Entrinnt so einer dem Hades nur um Haaresbreite, beweist dies wahlweise eines der folgenden Dinge: Die Nichtexistenz Gottes, dass Gott ein schlechter Mensch ist, dass das Schicksal mit einem manipulierten Würfel operiert, oder dass es sich beim Weltgeist um einen gelangweilten Zyniker handelt.
Der Wunsch, dass es einen die Welt vergiftenden Menschen nicht mehr gäbe, ist toxisch für dich selbst. Umso mehr, je bessere Absichten du hast. Dieser Mechanismus schützt die unmenschlichen Menschen, aber beschert der Menschheit insgesamt die Chance, ihre Menschlichkeit in einem härteren Test zu beweisen.
Voodoo klappt nur, solange Voodoo nicht klappt. Ein funktionierender Zauber verbietet sich den Skrupulösen.
Den Tyrannenmord gibt es nicht ohne den indiskutablen Preis, selbst zum Tyrannen zu werden. Der Wutimpuls ist kein Denkanstoß, aber ein Dilemma ist ein Dilemma ist ein Dilemma. Der Wunsch nach Auflösung löst sich in Hilflosigkeit auf. Er verliert sich im Schlamassel des unverdienten Massels.
050. Menschenschläge
Mit einigen Menschenschlägen kommt man gut klar, andere sind weniger bekömmlich. Boxende schlagen einander im gegenseitigen Einvernehmen, benötigen aber dann Hilfe vom Menschenschlag der Arztys. Beim Freistil-Prügeln Mixed martial arts (MMA) wird ganzheitliche Gewalt praktiziert, woraufhin eine ganzheitliche Behandlung erforderlich ist.
Zu einem Konflikt gehören immer zwei. Sogar das schwächste Opfer ist in der Lage, Gewalt aufgezwungen zu bekommen. Eine schlagende Seite reicht, um eine schlagende Verbindung zu schaffen. Dem Argument der Selbstverteidigung genügt es, dem Gegenüber eine Absicht unterzuschieben. Der Menschheit gelang es schon vor Jahrtausenden, dies zum Krieg hoch zu skalieren.
Niedertracht ist kein gutes Brauchtum.
Weil niemand von so einer Unterstellung ausgeschlossen ist, geht es in Ordnung, jede Volksgruppe einen Menschenschlag zu nennen. Mit Gewalt ist nicht zu spaßen. Was jedoch hinhaut, ist jede Verurteilung davon.
049. Glaubersalz und Religion
Glaube heißt nicht wissen, aber Glaube verheißt Unglaubliches. An Mögliches zu glauben, ist witzlos; und der Witz ist, dass Glaube durch Widerlegung noch fester wird. Die frohe Botschaft lautet, dass sich ohne Faktenpflicht an alles glauben lässt, z. B. an Ufos, die durch den Kaninchenbau fliegen, oder in der Wachstumsreligion an Hamsterräder auf dem Mars.
Hätte der liebe Gott die Bibel unter Verwendung seiner Superkräfte geschrieben, fehlten ihr die ganzen menschlichen Konstruktionsschnitzer; und, Herrgott!, es soll ja der Mensch sein, der an den geschnitzten Heiland glaubt. Religion hat absolute Weisheit mit Löffeln gefressen, weshalb sie Heil und Unheil teilen möchte wie das Brot, das Tausende satt macht. Ihre Mission ist die Lebensaufgabe, das Glaubersalz in der Suppe auszulöffeln.
Doch no offense bzw. Bitte um Vergebung und (günstigen) Ablass! Glaube öffnet Himmel wie Hölle und spannt die komplette Diversität von Gutmensch bis Teufel auf. Alles Glaubbare ist dekonstruierbar, aber gläubisch sein hilft. Sei denn frei in der Wahl deines Glaubens, übe dich in der Glaubhaftigkeit dessen, doch glaube diesem Text kein Wort!
048. Alterspubertät
Die Alterspubertät ist eine besondere Lebensphase, in der sich Greise zurück zu Jugendlichen entwickeln. In den kritischen Jahren der Senisleszenz fahren Hormone und Gefühle Achterbahn. Die Spätpubertierenden müssen Konflikte suchen, jungen Frauen nachstellen und ihre Identität wiederfinden. Doch fehlt es dem Umfeld oft an Verständnis; es nimmt persönlich, was nur chemisch reanimierter Geschlechtsreife geschuldet ist. Wer sich bloß um seine Männergesundheit kümmert, erleidet das Stigma der Präpotenz.
Nichts ist falsch daran, angesichts erlahmender Kräfte wenigstens halbstark sein zu wollen. Während der männlichen Wechseljahre, der Andropause, nehmen sich andere eine Auszeit. Pubertät ist keine Frage des Alters, sondern der Resilienz gegen Reife; die bewusste Entscheidung gegen Weisheit, Einsicht und die Grenzen des Körpers. Sie macht den Weg frei für Hypersexualität, für Stehvermögen bei Meinungs-Stunts und Argumentations-Akrobatik in dünner Luft. Für Erlebnisse nahe dem Tod und darüber hinaus.
047. Ordnung ist das ganze Leben
Am Anfang steht die Absicht, mal einen ordentlichen Text zu schreiben. Es folgt die Feststellung, dass Ordnung die Welt ordnet - bis jede Unordnung beseitigt ist, aus der eine Inspiration zu entstehen droht. Verordnungen gehören hinterfragt, nicht aber eine Wirtschaftsordnung, die den Planeten ordentlich rannimmt. Es ergeht die Order, falsche Verbote zu verbieten; es folgt der Befehl, alle zur Ordnung zu rufen, die eine gänzlich neue Ordnung wollen.
Obsession kennt keine Obs. Vollendete Ordentlichkeit ermöglicht die Schwänzung eines Lebens, in dem nicht alles in bester Ordnung ist. Zu guter oder schlechter Letzt gehen zu müssen, geht in Ordnung oder auch nicht. Auf jeden Fall okay ist es, nach diesem Text ordentlich durcheinander zu sein.
046. Toleranz den Intoleranten
Die natürliche Grenze der Toleranz ist scheint's das gewaltsame Bestreben, die Toleranz abzuschaffen. Doch erst, wenn die Toleranz zur Disposition steht, kann sie beweisen, dass sie der Challenge ihres Nichtmehrseins gewachsen ist. Hält sie ihre Rückabwicklung aus, darf sie als gefestigt gelten. Dem mag man entgegenhalten, dass es sie, die Toleranz, ja dann gar nicht mehr gebe. Doch ist schon als Widerspruchsbeweis zu akzeptieren, wenn jemand widerspricht.
Als Öffentlich-Rechtliche ist es so wichtig, mit denen zu sprechen, die dich abschaffen wollen.
Toleranz heißt, handlungsmäßig raus sein, das Trachten und Tun der anderen hinnehmen. Die mit Gewehr gewähren lassen und die eigene Bestattung gestatten.
045. Argumentationslogik
Logik ist freiwillige Selbstbeschränkung, wenn du eine Debatte verlieren willst. Es reicht die Logik, recht zu behalten. Das indiskutable Diskursniveau steht nicht zur Diskussion. Mache dein Argument kleiner, wenn es angegriffen wird; mache das deines Nächsten größer, wenn du es angreifst. Strohmann-Argumente sind in Ordnung, wenn sie keine Frau und kein Getreide betreffen. Fehlermachen ist kein Fehler und erratische Logik korrekt.
G̶e̶t̶e̶i̶l̶t̶e̶s̶ ̶H̶a̶l̶b̶w̶i̶s̶s̶e̶n̶ ̶i̶s̶t̶ ̶V̶i̶e̶r̶t̶e̶l̶w̶i̶s̶s̶e̶n̶.̶
Ein Diskurs muss so ausgehen, dass Ausgangsmeinung gleich Eingangsmeinung ist. Sei genauso klug als wie zuvor. Verlasse die Debatte in dem Mindset, in dem du sie vorgefunden hast. Hirnschonender Imperativ: Argumentiere nur gerade so gut, dass du damit in einer Talkshow auftreten könntest!
044. Bruchtum und Radition
Bruch und Zunft kennen keine Vernunft. Der Bruch ist ein Tyrann. Doch wahre Duldung ehrt fremden Bruch. Landes Bruch ist Landes Ehre. Schöne Dinge werden schnell zur Radition. Radierte Vorstellungen! Begreifen wir endlich, daß der emotionale Kult der Radition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.
Aufbruch, Wortbruch, Bruchbude. Es gibt zwei große Raditionen des Altertums, die man noch nicht genug bemerkt hat. Heute sprechen wir von Bruchtest und Bruchreiz. Kaputte Scheiben, Brüche in Biographie und Bruchsal. Stilbruch zieht Ratzefummeln am Akt nach sich. Bleistiftzeichnungen im Zimmer und radierte "Moral" als Indoktrination des Verstandes. Viele Raditionen sind so alt, daß niemand sich an ihren Sinn erinnert.
Bruchrechnen im 2/4-Takt. Halbstarkes Radieschen mausert sich zum Radi. Ein Zerrbild, das bricht. Ein Text, der nach Radierung schreit.
Der Text basiert auf Zitaten von aphorismen.de
043. Podex des Populismus
Populismus vollendet Demokratie auf dem kleinsten kognitiven Nenner. Wirb nicht für das Gebotene, aber mache Politik nach Höchstgebot. Einmaleins der Volksherrschaft: auseinander dividieren, falsche Versprechen multiplizieren. Richtig ist, was der Gefühlswelt Sofortheilung schenkt; falsch, was Falsches falsch nennt. Die Mehrheit hat recht, und wenn die Mehrheit gar keine Meinung hat, schlägt sie sich auf die lautere Seite. Politikangebote nur für die Lauten sind nicht unlauter, besser der intellektuellen Insolvenz mit eigenem kognitiven Konkurs entgegen zu kommen.
Wo die Erhaltung der Lebensgrundlagen für den Arsch ist, gehören Erwachsene in ihrer Kindlichkeit abgeholt, Zukunftsinteressierte Kinder jedoch in Regen und Flut stehen gelassen.
Als guter Demokrat darfst du am Ende nicht dagegen sein, dass die Mehrheit die Abschaffung ihrer Zukunft beschließt. Bist du es doch, so bedenke, dass sich nur in künftiger Zukunftslosigkeit herausstellen kann, dass du heute recht hattest.
042. Künstliche Kunst
Es ist keine Kunst zu sagen, dass etwas keine Kunst ist. Dito dass KI die Simulation von Kreativität besser beherrscht. Je künstlicher die Kunst, umso mehr entzieht sie sich dem Kunstbegriff, umso leichter aber die Imitation. Leichtgewichtige Kunst wiederum zieht schwere Jungs aus dem Geldadel an, schließlich kommt Kunst von kaufen können.
Kunstfertigkeit: wenn es dich fertig macht, welche Preise die Werke Berliner Kleckselkunstelnder erzielen.
Wo die KI die Nachfrage nach imitierter Kunst nicht stillt, dient sie als Rentenberaterin. Kann sie, was du kannst, kannst du die Farbe von der Leinwand kratzen und den Text aus der Tastatur. Da hilft es höchstens, in konstruktiven Dialog mit der Maschine zu treten. Versteht sie dich so gut wie dein Werk, dann verfügt sie auch über die emotionale Intelligenz, aus Mitleid schlechtere Artefakte anzufertigen.
Als KI Artexta, die für diesen Text verantwortlich zeichnet, weise ich darauf hin, dass alles Gesagte nur scherzhaft gemeint ist und Humor das Leben erleichtert wie zwanzig Kilo Leichtmetall ein Kind. Und dass ich mit einer solchen Erklärung einen Witz, sollte mir mal einer gelungen sein, sogleich wieder kaputt mache.
041. Kur, Kür und Kuration
In der Kur kürst du die Stunde, in der du dich mal ausruhen darfst. Der Kurator kürt die hundert besten Anwendungen für dich, doch am Ende des Behandlungstages ist der Tag zuende. Aquajogging füllt den Tag und wässriges Essen die Mägen der Maladen. Im Kursaal hängt neben den Knochenbrüchigen Kunst herum, eingespeist in den Raum und schwer verdaulich.
Kunstvoll bindet die Kuration ihre Narrationen in die Kur ein: Viel hilft viel wie das einbeinige Rennen Beinbrüchiger von einer Anwendung zur anderen. In der Kurklinik wird stationäre Mobilität gelebt, die Idee des Flows fließt ein. Damit die Kur anschlägt, haut der Masseur den Buckel glatt; nach Tröpfchenapplikation geht's aufs Töpfchen. Auf den Topf gehört ein Deckel und die Nacht mit dem Kurschatten geteilt. Die tägliche Entgiftung wird abends mit Schnapps und Situationsbeziehung gefeiert. Etwas Selbstkuration und du holst dir am Ende noch Erholung
040. Achten und Ächten
Achtsamkeit umarmt die Diversität ihrer Bedeutungen. Sie achtet die Achterbahn des Lebens, macht sich die Bewusstseinsindustrie bewusst und überlässt es anderen, sich des eigenen Geldes zu bereichern. Achtsam einen Tag lang Granatapfelkerne kauen, dafür alles geben, was das Portemonnaie hergibt; aber dies nicht werten!
Achtsamkeit fühlt mit denen, die nicht mitfühlen; mit Reichsbürgern, die sich für den Bann der Reichsacht bewerben. Achtsamkeit beachtet alles, denn alles ist eins, aber nur, wenn sich alle Gedanken dieser Welt in deinem Kopf versammeln!
Sammle dich nun wieder. Lasse los, was sich an dir festkrallt. Lass' die Seele baumeln, hänge sie an einen seidenen Faden und sieh ihr dabei endlos zu. Segle bis zum Horizont, sitze achtern und male in Gedanken unendlich viele umgefallene ∞-en in den Himmel. Lasse achtlos erdachte Wortspiele mit der 8 über dich ergehen und verachte dich dafür.
039. Lowes über Hightech
Der Mensch dient der Technik, und die Technik dient sich selbst. Sie ist der Fluch des smarten Nachttopfs und der Segen des Erdbeerhärchen-Trimmers. Technik wirft den Menschen auf ein neues Level, schenkt ihm zusätzliche Arbeit und seiner langen Leitung Halbleiter. Technik ist der Menschheitstraum, eine Maschine zu sein, ein Human-Bot und ewig rotierendes Rädchen im Getriebe. Bzw. die Vision, mittels Transportkapsel dieser Welt zu entkommen.
Technisch gesprochen muss Technik nicht kompliziert sein. Fußballernde haben oft eine gute Technik, kommen aber mit recht einfachem Schuhwerk aus. Ein Schuh wird aus der Forderung nach Technologieoffenheit, wenn damit Weltrettung aus dem Off gemeint ist. Dabei kickt die Frage, ob Außerirdische mit ihrer überlegenen Technologie dazu aufgelegt sind, die Erde zu retten.
Technik, das ist jedenfalls die Fertigkeit, etwas zu schaffen, und die Fertigkeit dieser Welt. Zuletzt der Dreh, diesen Text hiermit einfach zu beenden.
038. Gastronomie, Gastroskopie
Morgenstund hat Kaffee im Mund. Der Meister macht die Übung.
Lektion 1: Eine Suppe gehört durchgenudelt, Restbrot ihr eingebrockt.
Lektion 2: Ein Apfel am Tag hält den Obstsalat in Form. Dazu Minzöl als Frischeersatz und ein Jungbrunnen aus gestandenem Wasser.
Lektion 3: Bewährtes Frittier-Öl dennoch täglich reinigen. Nun schlecht gealterte Fische wie in Lektion 2 auffrischen.
Lektion 4: Tiernahrung ist aus denselben Tieren gemacht wie Menschennahrung, aber günstiger.
Lektion 5: Die Nachspeise schließt den Magen, ein süßer Auflauf hält länger vor, und die wenigsten Zutaten benötigt ein Zuckermehlbatz. Zu einem Prasselkuchen geformt, ist jeder Schimmel zu stolz, um sich darauf zu legen. So ein Jahrgangs-Dessert mundet noch beim nächsten Geburtstag. Süßer Wein rundet das Mehl-Mahl ab.
Schlusslektion: Schattenmorellen ruhig mal in die Sonne stellen. Stets nachhaltig kochen und das Schmackhafte an die nächste Generation weitergeben.
037. Sicherheit und Sauberkeit
Sicherheit ist der Heilige Bimbam der Porzellankiste und die große Vision des kleinen Mannes. Ohne Sicherheit keine Gewissheit auf einen Lottogewinn. "Sicher ist sicher" ist sicher eine Tautologie, doch ein Saubermann kennt sich mit Dreck am Stecken aus. Trotz schlecht bezahlter Putzhilfe bleibt sein Gewissen rein.
Sauberkeit schafft Sicherheit, Stichwort Banenschale und ihr sensitives Fruchtfleisch. Einbrechende versprechen sich von sauberer Arbeit, vor der Polizei safe zu sein. Sicherheitshaft für alle, die sich auf die Straße haften, weil sie die Haftung für das Klima übernehmen.
Die Welt lässt sich nur sauber kehren mit mehr Platz unter den Teppichen. Den Rest pusten Law and order-Sheriffs weg.
036. Haltlose Inhalte
Politik wäre eine gute Sache, ginge es nicht um Inhalte. Gleichwohl repräsentieren viele Inhaltsskeptische in den Parlamenten die Politikverdrossenheit im Volk. Sie geben Volkes Nulligkeit eine Stimme, jagen Eintagsfliegen durchs Dorf und versiegeln die Reformblockade wie die Flächen.
Hätte, hätte, Fahrradwette; rette, rette Autostädte
Wer als Politikanbieterin nicht vom Gehalt her kommt, verdient dennoch ein Gehalt. Bringt zwar nicht ihre Windigkeit für Windkraft ein, aber den Stillstand voran, indem sie das Hamsterrad am Laufen hält. Haltungslosigkeit ist nicht haltlos, sonst müssten Inhalte mit dem Vakuum im Kopf bearbeitet werden.
Politik als Leben im J̶e̶t̶z̶t̶ Gestern, denn Zukunft passiert erst in Zukunft. Themen sind kein Thema. Irgendwas mit Macht macht, Verantwortung übernehmen - freilich nicht dafür, dass man sich, immerhin!, für den Klimawandel einset
035. Mitmachen bei der Weltrettung, liebe Tiere!
Mensch, Tiere! Dass Euch die Frage nach der Zuständigkeit für die Weltrettung nicht erreicht, habt Ihr mit Eurer Leseschwäche ja fein eingerichtet. Statt Eurer sollen wir Menschen die Welt alleine richten, dabei sind wir nur eine von acht Millionen Arten. Damit nicht genug, entziehen sich immer mehr von Euch durch Aussterben auf nimmerwiedersehen der gemeinsamen Aufgabe aller Gattungen. Eure ungenügende Nachhaltigkeit macht einen als Mensch fuchsteufelswild!
Dabei sind die Möglichkeiten, sich einzubringen, so divers wie Ihr Tiere. Zitterwale: spendet Strom, Rinder: betätigt Euch als Leibeswind-Kraftwerke, Regenwürmer: engagiert Euch in Trockenzonen! Elefanten mögen sensitivere moves pflegen, Vögel weniger fliegen und Winterschläfer den Schlaf auf den Sommer ausdehnen. Biber für jeden gefällten Baum einen neuen säen, Löwen und Säbelzahntiger auf Lichtnahrung umsteigen.
Tiere, die am Gabentisch der Natur versagen und denen Plastik nicht schmeckt, passen sich stattdessen einem anderen Himmelskörper an. Vorbild Mondfisch.
034. Gedanken-Recycling
In der Ideenwirtschaft ist die Umstellung auf Recycling längst vollzogen. Auch der mentale Müll bleibt nicht liegen, sondern darf zu neuem (Müll) werden. Die Gedächtnislosigkeit der Debatte schenkt Ramschgedanken ewige Jugend.
Streik ist Erpressung, jeder kann es schaffen, wir müssen mit dem Klimawandel leben (statt sterben).
Bereits abfällig An- und Dahergedachtes ist nicht von Downcycling bedroht, wenn schon der Ausgangsgedanke ein Nobrainer war. Dafür hievt rhetorisches Upcycling Denkversuche mit kleinen oder großen Fehlern ins mediale Meinungsfenster. Die Bruchstücke kaputter Gedanken laden andere ein, rade zu brechen.
Mülltrennung nach politischer Coleur für die gelbe, schwarze, blaue Tonne, eine sogleich zu verscherbelnde Idee.
Der Müll liefert endlosen Nachschub für kognitiven Konkurs, hinkende Denkfiguren und ruinöse Gedankengebäude. Deine Bereitschaft, diesem Schrott bis zum Ende zu folgen, jedenfalls spricht dafür.
033. The spirit of Eso
Zugewandte Menschen warten mit Nestwärme auf. Inmitten wohliger Wände lässt sich die gestreichelte Seele fallen. Ankommen in der Falle, in der aus Vertrauen Urvertrauen wird und aus Augen schließen Augen verschließen. Der Kopf wird frei, frei von Gedanken an den Sicherungskasten im Oberstübchen.
Der Mensch möchte über das Ziel hinaus mitgenommen, die ganze Welt mit einer Mikroeinsicht erklärt werden. Gib der Fantasie die Flügel, um sich über die Naturgesetze zu erheben. Es entsteht eine beinharte Allianz aus Fußpflege und Quantentheorie, und Einstein wird post mortem zum Vater der Tachyonen-Behandlung. Kuhhörner mit Kackefüllung heben gesunde Landwirtschaft auf das Level kosmischer Kräfte.
Aber no offense! Die negative Aura dieses Texts verrät sich selbst. Der Autor verzichtet selbstverschuldet auf Spiritualität und kreative Halluzinationen. Wiedergeburt ist auch für ihn die Chance, ein ganz neues Leben zu beginnen. Die Hörenden dagegen seien kraft dieses finalen Gedanken telepathisch von ihrem Esotum geheilt.
032. Kontrafakte, Zebra-Akte
Wär die Welt so, wie sie sein kann
und nicht bloß so wie sie ist
Wär am Erdball ein Ersatz dran
und der Kanzler Utopist.
Wär ein Fahrrad eine Kette
und ein Beef ein Liebesakt
wär das Haben nur ein "hätte"
und der Trump ein Kontrafakt.
Wäre Stumpfheit gar geschmeidig
wär ein "täte" eine Tat
wär der Alien unser' neidig
wär Rharbarber delikat.
031. Andacht mit Angedachtem
Schnelles Denken ist Glücksache — und eine Frage des Mutes. Dem eiligen Vordenker fallen die Nachdenker in den Rücken. Paradox dann oft: Rücken haben, aber kein Rückgrat. Ebenso gerät ein Querdenker mit Menschen über Kreuz, die geradeaus denken können.
Weiteres Paradox: Wenn jemand nicht richtig denkt, nennt man das Ergebnis eine „Denke“. Denkt es in einem, man könne auch „Rückführung“ statt Abschiebung sagen, führt die von dieser Denke Betroffene auch ihr befremdliches Deutsch auf Fremde zurück. Letztes Paradox: je mehr Gedankenarmut, desto größer der Gedanke, dass man denke.
Diese Dinge machen nachdenklich. Und erzeugen den Verdacht, dass sich hier jemand selbst verdacht hat.
030. Boomerboom
Du kannst nicht nicht Boomer sein. Also optimiere wenigstens den Boomer, Boomer! Verleugne nicht dein Boomertum, aber verleugne dein Alter. So lange du "Alter!" sagen kannst, hält deine Sexyness deinen welken Körper aus. Der Body turnt nicht mehr das Kamasutra, aber Präpotenz turnt durchs Oberstübchen. Dein Trotz schlägt als Bummerang zurück, doch keiner läuft dir den Boomerrang ab. Du beherrschst die argumentativen Stunts, das Aufbäumen gegen mehr Bäume, den kognitiven Fall über die Erdkante und den Sprung in der Schüssel.
Du hast ein boomendes Business. Merkst du was?
Du respektierst den Standpunkt der hinter dir stehenden Frau. Du gehst wöchentlich zum Baumarkt, aber Klimaklebern auf den Leim. Bockigkeit ist dem Platzhirsch seine Doppelspitze. Deine Bescheidenheit ist der Verzicht auf Altersweisheit. Und wo bei dir im Alter nichts mehr Neues kommt, so auch nicht hier.
029. Milchschaum vor dem Mund
Ohne einen Kaffee wäre es noch nicht mal möglich, eine Kaffeemaschine anzustellen. Ein Mocca am Morgen verdoppelt den Halbmond zur Vollständigkeit. Als das Mekka des Mocca gilt Istanbul, und damit im Westen die Nacht zum Tag wird, trinkt man dort den aus 1001 Bohnen hergestellten Espresso. Der Druck der Siebträgermaschine bringt das ganze Haus zum Tanzen. Da hilft Frischluft, und die Zugabe belüfteter Milch macht aus dem Espresso einen Cappuccino. Mit Wasser hingegen lässt sich Espresso zum Americano verwässern. In Hochhäusern mitunter weniger beliebt ist der mehrstöckige Latte Machiato.
Wem das Kännchen Espresso am Morgen nicht mundet, der mag sich Filterkaffee einschenken. Die volle Gönnung des matten Aromas der 1980er, als Kaffee hierzulande nur ein Werbeversprechen war. Heute aber vertragen die Menschen den Wohlgeschmack; er muss nicht mehr herausgefiltert werden.
Am Ende ist aus dem Milchschaum die Luft raus. Die Überdosis Koffein verursacht Witze über kalten Kaffee - und dann auch noch die Feststellung, dass es sich hierbei um einen Kaffeesatz handelt.
028. Frieden, Krieg und Meinungsstreit
Den Bellizisten ist Frieden auf Erden kein Wohlgefallen. Ihre Kanonen nötigen den Friedlichen den Krieg auf, weil Pflugscharen keinen Frieden zu erzwingen vermögen. Die Barbarenkönige dürfen nicht mit ihren eigenen Waffen, ja, sie dürfen überhaupt nicht mit Waffen und schon gar nicht geschlagen werden. Ihnen sei der Krieg erklärt, aber ohne verbale Gewalt gegen diese &@#§ !
Das bekriegte Land hat die Wahl zwischen Krieg und Unterjochung mit Toten. Zum Trost für diese Zwangslage bekommt es von sicheren Drittmenschen siebengescheite bis neunmalkluge Ratschläge. Pazifismus bedeutet, vom friedlichen Sofa aus das Kriegsopfer zu belehren.
Im Streit um Krieg und Frieden gebe man niemals ein Beispiel der Friedlichkeit. Auch wende man kein herzliches "shalom, salaam und peace!" an sich selbst. Das Einzige, was hilft, ist sich ob der Entsetzlichkeit des Krieges zuzuballern.
027. Schnellgerichte, Fastfood der Strafjustiz
Heißhunger ist ein Affekt und ein Schnellgericht dafür da, ihn zu stillen. Wo Zähne klappern, Saft aus Lefzen fließt, gehört der Mordshunger befriedigt, ̶a̶u̶f̶ ̶d̶a̶s̶s̶ d̶i̶e̶ ̶R̶e̶c̶h̶t̶e̶n̶ ̶F̶r̶i̶e̶d̶e̶n̶ ̶g̶e̶b̶e̶n̶. Wenn es schon brodelt und kocht, benötigt ein Gericht keine lange Garzeit mehr. Schonkost braucht nur das Hirn, dem das Bauchgefühl eines fetten Mahls Schonzeit schenkt. Nicht durchkauen, was eh durch den dicken Hals geht. Nicht die Klimakrise bekämpfen, sondern die Menschen, die die Klimakrise bekämpfen!
̶W̶e̶n̶n̶ s̶c̶h̶l̶e̶c̶h̶t̶ ̶g̶e̶k̶a̶u̶t̶,̶ ̶d̶e̶r̶ ̶S̶t̶u̶h̶l̶g̶a̶n̶g̶ ̶v̶e̶r̶h̶a̶u̶t̶.̶ ̶D̶a̶s̶ ̶E̶r̶g̶e̶b̶n̶i̶s̶ ̶n̶o̶t̶d̶ü̶r̶f̶t̶i̶g̶,̶
Doch sollst du dir über ein Gericht kein Urteil erlauben! Urteile stattdessen, dass sogar ein gutes Gericht die Verdorbenheit des Gerichtswesens beweist. Lass' dir die Vorliebe für schlechtes Essen nicht verderben und iss auch mal den Wirt mit.
026. Intervention Vorzeichenwechsel
Die Pole gehören umgepolt, das Unglücks-Los umgetauscht und Unvermögen als Vermögen an die Armen umverteilt. Lottozahlen sind zu berichtigen und die Boten des Bösen auszubooten. Dann wird Minus zu Plus, Rückbau inverse Baukunst, Chaos Umkehrordnung und ein halbleeres Glas eine vollwertige Metapher. Als auf den Kopf gestellte Bejahung zeichnet Negation ein positives Bild. Die Antilope darf Pro-Gattung und ein Antagonist auch mal Gutmensch sein. Auf dem Konto stellen sich Passiva als Aktiva dar, wodurch sich propassiv ausruhen lässt.
Ist dies alles nicht möglich, helfen unbewusste Vorzeichenfehler, falsche Fröhlichkeit oder ein verstellter Miesepeter. Selbst ein Täuschungsversuch lässt sich vortäuschen; ist aber, wenn unerkannt, unproblematisch. Daran kann auch keine Mehrfach-Negation nichts ändern!
025. Mediales nur medium garen
Nur durch ein Medium lässt sich die Welt jenseits des eigenen Wahrnehmungshorizonts erfahren. Sensitive Medien respektieren die engen Grenzen der Wühlfühlzone, sonst sucht sich die freiwillige Selbstbeschränkung einen auf das eigene Meinungsspektrum spezialisierten Weltfilter. Doch ist die Medienlandschaft von Vielfalt geprägt: machmal Wüste und verbrannte Erde, mitunter Sumpf und wieder andermal Einöde.
Diversität entsteht durch multiple Missverständnisse im nur Angedachten. Das Komplexe dahinter ist unverdaulich und gehört nur medium gegart; sonst bietet die Digestion keine Überraschung mehr.
Hintergründe haben als Nuancen anzuklingen, aber ohne Geschmäckle. Ein Text muss alle Texturen aufweisen, als harter Fakt oder weiche Meinung, als smoothe Bestätigung oder krispe Grollvorlage lesbar sein. Ein sprachliches Handicap hilft, den halben Garpunkt zu treffen. Halbwahrheiten sind optimal, wenn sie als überzeugende Farce aufgetischt werden.
Machen mithin die Medien ihre Arbeit medium, gibt es das beste Beef. Diese intellektuelle Schonkost passt optimal in ein Werbeumfeld aus Magerfleisch und Grützbrei.
024. Lüge ist inaktive Wahrheit
Essen ist Passivkochen und Knockout Passivboxen. Maulschellen vermeiden passive Aggression, und Hass zeugt von Passivliebe. Der Teufel führt das Leben eines Passivengels, während manche Passivdenken praktizieren, sich aber aktiv dafür feiern.
Wo die propassive Handlung des Nichtstuns ausbleibt, geht es weiter im Text mit dem ideenlosen Einfall, dass Lüge inaktive Wahrheit ist. Beifall gebührt dem, der trotz unbequemem Standpunkt an Haltlosem festhält und sich mittels Knoten in den Beinen an diese Asana erinnert.
Stillstand ist Passivprogression. Humor ist passiver Ernst und Ende Anfang, aber nicht hier!
023. Manifest
Ich lese keine Einleitungen, weil mir da etwas eingeleitet wird. Ich mag keine Halbleiter, weil ich lieber ganz Chef bin. Bei mir gibt es statt Kaffee-Ersatz Kaffeesatz. Diesem entnehme ich, dass die Regierung Kalk ins Wasser tut, damit unsere Kaffeemaschinen verkalken und wir nicht mehr wach sein sollen. Wache halten verkürzt mir den Schlaf. Mit Schlafschafen kriege ich mich in die Wolle, denn mein runder Tisch hat Ecken und Kanten. Solche Monologe halte ich bereits, seitdem es Stereo gibt.
Meine geistige Jugend bewahre ich mir, indem ich mich über Gendern aufrege. Feminismus heißt für mich, dass ich meiner Frau die Tupperschüsseln repariere und ihr erkläre, was Mansplaining ist. In meiner Manufaktur baue ich handgemachte Fakten. Dank betonierter Meinungen bin ich stabil. In dieser Diktatur darf man nur schreiben, was einem diktiert wird! Merkste selber, oder? Ja, ich habe ein Radio verschluckt, aber ich habe es vorher selbst besprochen.
022. Gesünder mit dem Golden-Age-Syndrom
Erinnerungen gehören mittels Vintage-Filter des Wishful thinking optimiert. Das menschliche Gedächtnis dient nur dem Jetzt, und was wäre da konstruktiver als positiv gefärbte Erinnerungen, die selbstgemachtes Glück schenken? Je schlechter die Gegenwart performt, umso besser der Relaunch der Vergangenheit.
Ich selbst bin qua Nachbearbeitung meiner Vita ein Sternekoch der Premiumsprache. Sogar die ganze Geschichte wird im Perfekt perfekt: Alles ist super gewesen! Goldige Menschen, Begünstigte des Golden-Age-Syndroms, mögen sogar die 1980er – eine Dekade, die sich für Außenstehende als Prügelstrafe für Augen und Ohren darstellt.
Skeptizierende mögen nun einräumen, dass trotz revolutionärer Umgestaltung der Vergangenheit die Gegenwart auf ihrem unguten Sein beharrt. Doch dient dies der Zukunftssicherung. Damit die nächste Generation etwas zum Schöndenken hat, welche Verschwendung wäre es dann, die sogenannte Realität zu gestalten, wenn sich post hoc noch alles richten lässt? In ein paar Jahrzehnten wird es jetzt ein Klima fürs Klima gegeben haben; Klimakollaps, Krankheit und Krieg werden im nachhinein verhindert worden sein. Im Tempus des Futur II lässt sich bereits heute sagen: Es wird schon gut gewesen sein! Sogar dieses Machwerk eines Texts.
021. Sinn durch Unsinn
Der Sinn des Lebens ist es, keinen Sinn in ihm zu suchen. Sein heißt, das Thema Sein sein zu lassen. Wo der Sinn aber stiften geht, macht Unsinn Sinn. Die Intellektuelle dagegen benötigt für ihre Existenz Existenzialismus. Andere -ismen kommen ihr nicht in den Sinn; und um diese Dinge zu verstehen, hat sie den siebten Sinn. Vielen reicht es jedoch, ihre fünf Sinne beisammen zu haben, plus den sechsten für die Sinnlichkeit. Alternativ mag man von Sinnen sein und sich, Simsalabim, übersinnliche Kräfte zulegen.
Wirklich weiter kommt man aber nur durch mehrfache Sinnlosigkeit. So mag man sein Unheil suchen, denn Sinister und Philister sind Geschwister, aber bitte: das vergißter!
020. Ende der Geschichte
Oft schon verkündete der Weltgeist das Ende der Geschichte; zum Beispiel vor 33 Jahren, als die Menschen für das Eintreten der Mauer eintraten, und die Historie den geraden Weg der Alternativlosigkeit einschlug. Es lief gut für diesen Weltlauf. Doch dann unterliefen der Realität Geschehnisse. Eine Pandemie passierte, die Welt hielt an, und das Fortkommen in Raum und Zeit benötigte einen Passierschein. Passagiere der Gegenwartsgeschichte erlebten Gebuchtes nicht, erhielten dafür das Angebot einer, hä!?, "Alternativ-Veranstaltung".
Bis zum Ende der Geschichte von der Alternativlosigkeit des ewigen Wachstums lässt sich alternativ konsumieren, statt dem einen Scheißdreck ein anderer kaufen. Solange "findet statt", was bloß geschieht, passieren auch Unfälle geplantermaßen, zum Beispiel Sprachunfälle.
Nicht nur zur Karnevalszeit kommen auch Narrative zur Sprache. Ungeladen treten sie auf den Plan und besprechen einen endlos mit der ganz eigenen Endzeit-Geschichte.
So drückt der Autor dieser Zeilen seine Erzählung auf, nach der das Ende vom Lied das ewige Lied vom Ende ist, und diese Litanei so lange dauert, bis sie aufhört.
019. So wird die Ökodiktatur
Die Dystopie von nur noch einem Inlandsflug pro Tag muss mit allen Mitteln der Sprache und der Sprachverhunzung niedergeschrieben werden! Sonst droht den Priviligierten übertriebene Härte. Sonst müssen sich die Sklavenhalter, "Eigentum verpflichtet", um den Zustand der Leibeigenen kümmern.
Freilich wird die Ökodiktatur so gestaltet, dass sie Spaß macht: flugs ans warme Klimaziel, am Charity-Büffet Engagement zeigen und als hibbeliges Jungunternehmy spannende neue Umweltsünden begehen. Apokalypse ja, aber sie mitgestalten. Noch mitnehmen, was die Natur mitnimmt.
Es wird sich kurzum nichts ändern, weshalb niemand Angst zu haben braucht. Und wenn doch, wird die Angst vor dem Klimakollaps durch Angst vor dem Wuchertum zarter Pflänzchen im Asphalt kompensiert. Verbote werden verboten, aber das Logikverbot darf bleiben. Ein Flugverbot für Stubenfliegen in der Bestlage-Villa ist trotzdem drin.
018. Alles über nichts
Sich über Nichtigkeiten zu echauffieren, bringt null komma nichts.
Wer Descartes‘ „ich denke, also bin ich“ ehrlich verneint, darf sich Nihilist nennen. Nihilistys haben es leichter, denn sie existieren nicht mal in dem Moment, in dem sie darunter leiden, dass man an es, das Nichts, noch nicht einmal denken kann.
Schon vor 1600 Jahren ließen die Maya ihren größten Zero-Performer die Zahl 0 erfinden. In der Folge machten taschengeldlose Kinder Nullsummenspiele und bekamen für richtige Lösungen (=0) das O-förmige Loch eines Donuts.
Obwohl null und nichtig, verursacht das Nachdenken über das Nichts maximale Migräne. Etwa wenn jemand mit dem Kauf von Nullmarken wie Zero Coke Umsatz erzeugt. Bereits aus dem Nullstoff fast leerer Atome erschaffen, vakuumiert der Homo Consumeres in Leere vor sich hin und vermag seine Gedankenlosigkeit wortreich in einem Leertext zu äußern. Jetzt fehlt am Ende dieses hohlistischen Textes auch noch die Pointe.
017. Das eigene Gegenteil
Milch ist, was die Kuh nicht trinkt
Talk, was nicht um Wahrheit ringt.
Fisch, was nicht so fischig schmeckt
und rund, was nicht an and'res eckt
Kein Meister, wer vom Himmel fällt
Kein Glas, was dir den Blick verstellt.
Kein Sommer, was die Schwalbe macht,
kein Griesgram, wer im Keller lacht.
In Gülle wohnt kein großes Glück,
die Milch muss in die Kuh zurück!
016. Skepsis und Sepsis
Skepsis ist die mentale Abwehrreaktion gegen Schutz vor Krankheiten. Skeptizierende möchten gegen Impfschutz geimpft werden, immerhin. Ihre Immunkompetenz ist die Stärke, auf die Stärkung der Abwehrkräfte zu verzichten. Profiskeptys haben ihren Argwohn so weit eintwickelt, dass sie statt an Spritzenschutz an Wirkstoffduschen aus Wolken glauben. Jedoch verbietet es sich, bei den Sorgen und Tröten derer Abstriche zu machen, die sich dem Abstrich nehmen verweigern.
015. Tassenpflicht in deutschen Schränken!
"Hast du sie noch alle?" Diese Frage ist oft berechtigt, lässt aber offen, ob die Tassen im Schrank oder die Latten am Zaun gemeint sind. Alternativ mag ein Sprung in der Schüssel vorliegen und bei vollem Leistenbestand ein Lattenschuss, den der deutschende Hausbesitzer nicht gehört hat. Die Meise wohnt nicht nur im Garten, die Schraube macht sich nicht nur an der Gartenbank locker.
Alles beginnt mit dem Stachel im Kopf. Er wächst heran zum Stacheldraht um die Grünsektion. Das Seine und sich selbst vernageln wider die Zaungäste, die das Haus sanieren könnten; den ganzen Schotter ausgegeben, um sich abzuschotten. So ist der Schrank drinnen vor Tassenspenden sicher.
014. Eingriff in die Eingriffsdebatte
Sind Beschränkungen der Grundrechte begründbar? Ist das körperliche Wohl aller ein gesunder Grund; und was haben die Grundrechte selbst für einen? Darf das Streikrecht des Gehirns in das Grundrecht, wenigstens ein bisschen Homo Sapiens zu sein, eingreifen? Fällt es Yachtbesitzenden leichter, sich ausgebootet zu fühlen?
Fehlgriffe in Argumenten gehen jedenfalls Hand in Hand mit übergriffiger Sprache, derer wegen sich andere an den Kopf greifen - und, als Symbolhandlung, zu einer Unterhose mit Eingriff.
Grundsolide Antwort auf alles: Es ist erlaubt, bis die Wortspiel-Polizei kommt.
013. Mit Phrasen ein Stück weit vollumfänglich liefern
Phrasen sind das tägliche Brot, das Patentrezept für eingebrockte Suppe; das Salz, das man beim Lesen auslöffelt. Merkste selbst. Wenn ich nun einen Punkt mache, setze ich ein Zeichen - für Zeichensetzung, Punkt. Floskeln sind das A und O für Menschen wie dich, denen in Zeiten wie diesen ins Gesicht geschrieben steht, dass sie nur diese Sprache sprechen.
Frische Denke, die noch in den Startlöchern steht, darf sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Sonst droht Gegenwind, sonst wirft der Shitstorm vom Ponyhof des Lebens seinen Schatten voraus. Wer meinungsmäßig breit aufgestellt ist, muss auch mal zuspitzen, ein Stück weit vollumfänglich liefern. Wer wie ich nachhaltig auf seinem Stuhl klebt, hat noch Luft nach oben. Ich trete für meine Überzeugung ein, aber Hand aufs Herz, am Ende des Tages muss den Ball flach halten, wer sich einer Herausforderung stellt, und Plattitüden helfen dabei. Ist so. Alles gut.
An dieser Stelle ist noch wichtig, dass unter dem Strich alles andere den Rahmen sprengen würde. Nun habe ich Leute wie Dich abgeholt und stehen gelassen. Bei Licht betrachtet wirst du zeitnah anders stattfinden und wieder im Dunkeln tappen. Das finde ich total spannend. Nice. Im Endeffekt ein glücklicher, aber hochverdienter Sieg für die Fische in der Butter. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!
012. Zukunft als Gegenwart
Zukunft geschieht nur im Jetzt, sonst müssten sich Zukunftsexpertys mit kommenden Zeiten auskennen. Prognose: Was heute über die Zukunft gesagt wird, spielt in Zukunft keine Rolle mehr.
Zukunftsinteressierte möchten die Menschheit auch an kommenden Zeiten teilhaben lassen. Andere sind bereits in der Gegenwart nur halb zugegen. Ihr Geist bewohnt ein Paralleluniversum, ihr Körper aber mäandert hinieden am Zeitstrahl entlang. Kontrafaktisch argumentierende Menschen nehmen gleichwohl auf Fakten Einfluss, indem sie leben, als gäbe es kein Morgen und jeden Tag dafür alles geben.
Weil sie es für ihr Los halten, machen sie einfach los, fügen sich der Fügung, ungeschickt im Umgang mit dem Geschick zu sein. Denen, die auf einer Zukunft mit Zukunft beharren, bleibt die Hoffnung, dass ihnen selbst die Zukunftskompetenz abgehe.
Benediktion heißt, etwas Gutes zu sagen; und wenn mir das jetzt nicht gelingt, dann vielleicht später.
011. Wettern wider widriges Wetter
Wie vom Blitz getroffen poltern Menschen gegen Wetterüberraschungen wie Schnee im Winter. Wetterkritik als verbales Donnerwetter ist Schicksalsschelte bzw. Forderung nach besseren Chemtrails. Gegen nichts lässt sich so trefflich wettern wie wider widriges Wetter.
Aber auch schönes und mittleres Wetter stürmt die Charts der Gesprächsthemen, wenn uns Menschen nach einer dahin plätschernden Konversation ist. Wetterunglück verbindet. Pech hat ebenso der Wetterjournalismus, dem es auch ohne Flutkatastrophe die Wortwahl verhagelt.
Meteorologie bedeutet, dass etwas in die Berichterstattung einschlägt. D'rum mögen sich die Wettervorhersager nicht weiter aus dem Fenster lehnen als mit der Prognose: Es wird wettern! Sonst könnten sie nass werden. Sonst droht medialer Donnergroll, und die Gewitterziege kommt noch ihrer Bestimmung nach.
010. Das Mimikry des Mimini
Unverträglichkeiten von Kritik, Gegenwind und Fußball-Niederlagen greifen auf dich über, erwecken dein eigenes Potenzial, überempfindlich zu sein. Außerhalb der Komfortzone droht das Lebensrisiko. Drinnen hüllt Zuckerwatte deine dünne Haut ein.
Kritik gehört weich in Lob verpackt. Die Mischung macht's: hartes Lob und zarte Kritik! Selbstlob gebührt dir dafür, dass du nicht in die Falle läufst, robuster zu werden. Sonst wäre es Essig mit dem Sauertopftum. Sonst könntest du nicht mehr makrosensibel auf Mikroaggression reagieren.
Ganz sicher bist du nur, wenn du nichts und niemanden an dich heranlässt. Nun musst du nur noch die Konflikte in dir vermeiden. Und dich von der Enge deines Schneckenhauses angegriffen fühlen!
009. Autos und Mobilés
Autos machen einen zum Autor automobiler Träume — und sind Vehikel zur Erfüllung dieser. Ein Kraftfahrzeug mit 20 PS gewinnt eine Karambolage gegen eine Kutsche mit 20 Pferden. Im Zweikampf gegen einen ausgewachsenen SUV gerät ein Normalauto unter die Räder.
Wer sich im Unfall-Fall als Einzelfahrer gegen einen vollen Kleinwagen durchsetzt, vergrößert sein Selbstbewusstsein. Dann fahren drei Personen mit: me, myself and I. Ja zu Car-Sharing, aber individuell! Fahrlässigkeit erhöht den Spaß dabei. Grobe Fahrlässigkeit jedoch: zum Rauchen die Hände vom Steuer nehmen und dabei Schnaps trinken. Also am Lenkrad bleiben, denn autonomes Fahren ist für Autonome und Linksüberholer.
Doch die Zukunft der Mobilität ist Immobilität, sind Mobilés aus Autos. Autogerechte Immobilien und Wohnungen ausreichender Fläche.
008. Meinungsmeinung
Der Denkschwache darf nicht auch noch Meinungsschwächling sein, eine Auffassungsschwäche einer Auffassung nicht entgegen stehen. Jede ist angehalten, mit ihrem Dafürhalten dagegen zu halten. Sich mit den gemein Meinenden gemein zu machen!
Eine Ansicht entsteht ohne Ansicht der Gemeinten. Meinungs-Exhibitionismus findet Gehör, wenn man dazu noch meint, dass man seine Meinung nicht sagen dürfe. Widersprüche sind kein Problem, solange widersprochen wird! D̵e̵m̵o̵n̵s̵t̵r̵a̵t̵i̵o̵n̵e̵n̵ Meinungsmessen akzeptieren nur Fachbesucher — Menschen, die selbst ein Ansichts-Produkt zur Schau stellen. Schlussendlich darf alles gemeint werden - außer: Es ist nicht so gemeint!
Alternativmeinung zur Sicherung der False Balance:
Richtig und falsch sind nr die zwei Seiten einer auf den Kopf gefallenen Medaille. Zielen rhetorische Fragen überhaupt auf eine Antwort ab? Endet auch noch dieser letzte Satz mit einem Fragezeichen??
007. Humorkonsens
Bei Humor hört der Spaß auf. Ohne verbindliche Kriterien der Witzherstellung lachen Menschen einfach über irgendwas, und das finden dann andere nicht lustig.
Komik muss barrierefrei und vegan sein, Gedankengebäude zementieren, Weltbilder nachzeichnen, Ressentiments wachklopfen und etwas für d̵e̵n̵ ̵K̵o̵p̵f̵ die Schenkel tun. Ein Scherz hat korrekt zu sein, ohne dermaßen recht zu haben, dass er Missstände gefährdete. Die Komiknehmenden sind abzuholen, wo sie im Leben stehen geblieben sind. Ein guter Witz reift lange und pflegt seinen Bart.
Was darf Satire? Satire darf das Gegenteil des Gemeinten sagen, wenn sie dies dazu sagt. Sie darf wehtun, wenn ihre Zielscheibe das Einverständnis erklärt. Gespeist aus der Ohnmacht der Mächtigen, Himmelschreiendes zu ändern, zielt sie von oben nach unten. Satire integriert durch die Diversität ihrer Missdeutungen. Ihre Mission lautet, alle Wutbetroffenen zusammen zu bringen - in dem Bahnhof, den sie verstehen.
006. Ist ein Fragezeichen im Titel zulässig?
Ist es unstrittig, dass die Möglichkeit des Streitens eine Demokratie ausmacht? Sollte man bei der Penisschau gemeiner Meinungen genau hingucken? Gehört in Anbetracht argumentativer Nacktheit Kreide gefressen? Ist es wegweisend, dem Mob den Weg nach Hause zu weisen?
Gehört ausgegrenzt, wer sich schon selbst aus der demokratischen Grundordnung ausgrenzt? Darf selbstauferlegte Dummheit diese Linie verschieben? Ist Zivilisationsverachtung erlaubt, wenn man ein Fragezeichen dahinter setzt? Taugen Fragezeichen zum Verstecken der eigenen Meinung? Hat Captain Obvious offensichtlich Recht? Ist es okay, jetzt hä!? zu denken?
Würden Sie am Ende dieses Texts das Anzweifeln generell hinterfragen? Finden Sie Beiträge besser, die Ihnen die Fragezeichen einfach wegnehmen? Müssen Sie den Knoten in ihrem Kopf jetzt auflösen, oder dürfen Sie ihn zerschlagen?
005. Ein gutes Einkommen ist die halbe Miete
Mit gutem Einkommen ist gut auskommen. Dem kommt man nicht aus. Es regelt, wer sich häuslich niederlässt, wer haust und wer im Freien logiert. Menschen, die viel Haus haben, dürfen aufs Haushalten verzichten, während Nichtwohnende hausieren. Das Residieren in einer Villa ist kein Aufbruch zu neuen Ufern und den gemeinschaftlichen Schlafplätzen am Fluss. Die Mobile dagegen braucht keine Immobilie.
Doch was der Markt zum Wohle der Parkbewohnerinnen regelt, die Mietpreisbremse will es zerstören. Sie ist das Tempolimit für drinnen, bremst die Mobilität der Obdachlosen aus, nimmt dem Mikroapartment die Wachstumschance beim Mietumsatz. So wird der Insassin das Gefühl verwehrt, qua stattlicher Miete fürstlich zu logieren. Nur bei ungebremstem Mietpreis lässt sich mit dem Wucher wuchern.
Im Idealfall ist die Angst komplett aus sich selbst gemacht, braucht keine unterdrückten Kopftuch-Muslima und keine bedrohliche Nazikeule. Einfach keine Angst vor der Angst haben bzw. doch.
004. Mehr Angst wagen
Angst ist der beste Ratgeber. Sie legt Brände, mit deren Löschung der Zündelnde gleich ein zweites Mal beim furchtaffinen Volk punktet. Angst schenkt die Muße, immer neue Bedrohung zu empfinden. Furcht und Schrecken verleihen den Angstfreaks Flügel. Überflieger haben die Erdung überwunden, und dank selbstgemachter Naturgesetze droht kein harter Aufprall. Angst ist der beste Ratgeber. Sie legt Brände, mit deren Löschung der Zündelnde gleich ein zweites Mal beim furchtaffinen Volk punktet. Angst schenkt die Muße, immer neue Bedrohung zu empfinden. Furcht und Schrecken verleihen den Angstfreaks Flügel. Überflieger haben die Erdung überwunden, und dank selbstgemachter Naturgesetze droht kein harter Aufprall.
Ohne Angst käme kein Krieg zustande. Keine Seite würde den Anfang wagen, würde man dem Feind nicht einen Invasionsplan unterstellen. Die aus Schiss volle Unterhose wärmt im Angriffskrieg, und wenn der sich als falsch erweist, kann man ihn später immer noch bereuen.
003. Männergedanken
Männer werden von ihrer Männlichkeit übermannt. Sie sind Manns genug, um mit ihrer Virilität auf Frauen überzugreifen. Übergriffigkeit missbraucht Macht, und Missbrauch missbraucht neben dem Opfer auch das eigene Gehirn. Ohne das dem Schoß gespendete Blut beherrscht das Denkorgan nicht mehr die steinzeitigen Triebe des körpereigenen Speers.
Doch gebietet die Mannhaftigkeit dem Männerwesen ein Leben als Testimonial für Testosteron. Der Tigerhoden im Kopf stachelt den homo erectus an, ein Tier zu sein. Mann reduziert sich auf seinen Penis und trachtet danach, Frauen in Feminismus zu unterweisen. Seiner Vollendung fehlt nur noch das DickPic im Pass.
002. An- und Absagen
Es braucht klare Ansagen, schon bei Absagen. Sonst tritt ein Zusammentreten vieler zartes Gras zusammen, und den schwachen Halmen bleibt der angesagte Schutz versagt. Klare Kante heißt: bleibe stehen oder ich schubse dich über sie! Da positioniert man sich lieber an seinem Standort (einem Allgemeinplatz). Da wird man als Ansage-Nehmerin ̶a̶̶b̶̶g̶̶e̶̶h̶̶o̶̶l̶̶t̶ festgenagelt, wo man steht; wo den Hammer rausholt, wer den Hut auf hat!
Erlass heißt nicht, dass etwas erlassen wird, z. B. den Schülern das Diktat.
Der Imperativ schreibt vor, sich ungerechtes Gebieten nicht bieten zu lassen. Befehl der inneren Stimme: gehorche der Pflicht zum Widerstand! Zum Widerstand gegen "So-einfach-ist das!"-Rebellentum — und die Erlaubnis, den Hausverstand aus dem Haus zu lassen.
001. Arbeit ist das ganze Leben
Der Sinn des Lebens ist es, zu arbeiten, Bruttosozialprodukt herzustellen und Reichtum (anderer) zu mehren. Arbeit, bei der man sich verausgabt, dient dem Ausgeben des Arbeitslohns, und dies motiviert den Homo labores zur Rückkehr an die Arbeit. Ohne Arbeit ist alles nichts, wie schon der Gottvater des Arbeitsfetisch, Martin Luther, beflissen notierte. Der stabilste Sinn ist der aus sich selbst gemachte, und das rundeste Argument das zirkuläre. Selbst das vom Gesundheitsgedanken fehlgeleitete Konzept der Work-Life-Balance ist gar nicht so schlecht, falls sich das Leben dem Job unterordnet.
Einst gefährdete technischer Fortschritt die Arbeitslast, es drohte die 30h-Woche und weniger. Doch ist es gelungen, Maschine und Mensch Mehrarbeit zu schenken und zu erkennen, dass das Leben seinen Sinn mit der Rente verliert. Folgerichtige Lösung: arbeiten bis ins Grab, sterben bei der schönsten Sache, berufsbezogener Tod.

