Glaubersalz und Religion

Glaube heißt nicht wissen, aber verheißt Unglaubliches. An Wissen zu glauben, ist witzlos; und der Witz ist, dass Glaube durch Widerlegung nur noch fester wird. Die frohe Botschaft, sie lautet, dass sich ohne Widerlegbarkeit an alles glauben lässt, z. B. an Ufos im Kaninchenbau und die Wachstumsreligion, die durch ihre Dogmatik über die Grenzen des Planeten hinaus zu überzeugen weiß.

Hätte der liebe Gott die Bibel unter Verwendung seiner Superkräfte geschrieben, fehlten ihr die ganzen menschlichen Konstruktionsschnitzer; und es soll ja der Mensch sein, der an sie glaubt. Der Christenmensch wandert mit dem oftgeschnitzten Herrgott am Kreuz auf unergründlichen Irrwegen des Denkens und lässt sich auf Auslassungen ein.

Religion hat absolute Weisheit mit Löffeln gefressen, weshalb sie Heil (und Unheil) teilen möchte wie das Brot, das als Krumen Tausende satt macht. Ihre Mission ist die Lebensaufgabe, das Glaubersalz in der Brotsuppe auszulöffeln, und beim Dürsten nach Wahrheit im Dunkeln zu tappen. Glaube öffnet Himmel wie Hölle und spannt die komplette Diversität zwischen Gutmensch und Bösmensch auf.

Alles aus der Vielfalt des Glaubbaren ist dekonstruierbar, aber an irgendwas muss der Mensch glauben. Sei also frei in der Wahl deines Glaubens, übe dich in Glaubhaftigkeit, doch glaube keinesfalls diesem Text!