baumhaare und Haarbäume
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Haarige Wortspiele halten die verkopfte Profession der Haarbeschneidung im Schwitzkasten. Aber festliche Weihnachts-Frisuren entstehen nicht durch hairbeigezoge Bilder, sondern durch haargenaue Beschreibungen. Der frisurtragende Kopf fungiert sogar als Weihnachtsbaum fürs ganze Jahr, denn von der Opolenz von Strähnchen, Klammern, Reifen und Diademen kann manch Weihnachtsbaum noch etwas lernen. Dabei reden wir noch nicht über Extensions, Pferdeschwänze und Wasserfallzöpfe.
Wir reden über eine Frau, einen Mann wie einen Baum. Über Haarkugeln, Baumkämme und die längere Haltbarkeit durch Einsprühen. Wir sprechen aber auch über die Chancen, die Baum und Haar trotz Vergänglichkeit bleiben. Über Mittel, um brüchig gesprühte Strähnen, Schütter-Haar und teilbenadelte Baumgerippe gleichwohl festlich zu gestalten. Am Restbestand sehen Weihnachtskugeln und Holzfiguren nicht aus; und doch lässt sich das Nadelhaar in goldene Mikroringe hüllen, in Kristallstäbchen, Spiral-Ornamente und Schokoröllchen. Für die Lücken wurde neulich Streuhaar erfunden. Wie Schneeflocken legt es sich auf Haarinseln, und grünes Streuhaar dient als selbstklebender Nadelersatz. Bliebe noch über Einzelhaar- und Einzelnadel-Schmuck zu reden. In ähnlich spröden Worten, aber nicht in diesem Jahr.
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(Dieser Text erschien zunächst als Beitrag zum Adventskalender der Büchereulen.)
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