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Folgen 1-10

1. Arbeit ist das ganze Leben

Der Sinn des Lebens ist es, zu arbeiten, Bruttosozialprodukt herzustellen und Reichtum (anderer) zu mehren. Arbeit, bei der man sich verausgabt, dient dem Ausgeben des Arbeitslohns, und dies motiviert den Homo labores zur Rückkehr an die Arbeit. Ohne Arbeit ist alles nichts, wie schon der Gottvater des Arbeitsfetisch, Martin Luther, beflissen notierte. Der stabilste Sinn ist der aus sich selbst gemachte, und das rundeste Argument das zirkuläre. Selbst das vom Gesundheitsgedanken fehlgeleitete Konzept der Work-Life-Balance ist gar nicht so schlecht, falls sich das Leben dem Job unterordnet.

Einst gefährdete technischer Fortschritt die Arbeitslast, es drohte die 30h-Woche und weniger. Doch ist es gelungen, Maschine und Mensch Mehrarbeit zu schenken und zu erkennen, dass das Leben seinen Sinn mit der Rente verliert. Folgerichtige Lösung: arbeiten bis ins Grab, sterben bei der schönsten Sache, berufsbezogener Tod.

2. An- und Absagen

Es braucht klare Ansagen, schon bei Absagen. Sonst tritt ein Zusammentreten vieler zartes Gras zusammen, und den schwachen Halmen bleibt der angesagte Schutz versagt. Klare Kante heißt: bleibe stehen oder ich schubse dich über sie! Da positioniert man sich lieber an seinem Standort (einem Allgemeinplatz). Da wird man als Ansage-Nehmerin ̶a̶̶b̶̶g̶̶e̶̶h̶̶o̶̶l̶̶t̶ festgenagelt, wo man steht; wo den Hammer rausholt, wer den Hut auf hat!
Erlass heißt nicht, dass etwas erlassen wird, z. B. den Schülern das Diktat.

Der Imperativ schreibt vor, sich ungerechtes Gebieten nicht bieten zu lassen. Befehl der inneren Stimme: gehorche der Pflicht zum Widerstand! Zum Widerstand gegen "So-einfach-ist das!"-Rebellentum — und die Erlaubnis, den Hausverstand aus dem Haus zu lassen.

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3. MännerGEDANKEN
 

Männer werden von ihrer Männlichkeit übermannt. Sie sind Manns genug, um mit ihrer Virilität auf Frauen überzugreifen. Übergriffigkeit missbraucht Macht, und Missbrauch missbraucht neben dem Opfer auch das eigene Gehirn. Ohne das dem Schoß gespendete Blut beherrscht das Denkorgan nicht mehr die steinzeitigen Triebe des körpereigenen Speers.


Doch gebietet die Mannhaftigkeit dem Männerwesen ein Leben als Testimonial für Testosteron. Der Tigerhoden im Kopf stachelt den homo erectus an, ein Tier zu sein. Mann reduziert sich auf seinen Penis und trachtet danach, Frauen in Feminismus zu unterweisen. Seiner Vollendung

fehlt nur noch das DickPic im Pass.

4. Mehr Angst wagen

Angst ist der beste Ratgeber. Sie legt Brände, mit deren Löschung der Zündelnde gleich ein zweites Mal beim furchtaffinen Volk punktet. Angst schenkt die Muße, immer neue Bedrohung zu empfinden. Furcht und Schrecken verleihen den Angstfreaks Flügel. Überflieger haben die Erdung überwunden, und dank selbstgemachter Naturgesetze droht kein harter Aufprall.

Ohne Angst käme kein Krieg zustande. Keine Seite würde den Anfang wagen, würde man dem Feind nicht einen Invasionsplan unterstellen. Die aus Schiss volle Unterhose wärmt im Angriffskrieg, und wenn der sich als falsch erweist, kann man ihn später immer noch bereuen.

5. Ein gutes Einkommen ist die halbe Miete

Mit gutem Einkommen ist gut auskommen. Dem kommt man nicht aus. Es regelt, wer sich häuslich niederlässt, wer haust und wer  im Freien logiert. Menschen, die viel Haus haben, dürfen aufs Haushalten verzichten, während Nichtwohnende hausieren. Das Residieren in einer Villa ist kein Aufbruch zu neuen Ufern und den gemeinschaftlichen Schlafplätzen am Fluss. Die Mobile dagegen braucht keine Immobilie.


Doch was der Markt zum Wohle der Parkbewohnerinnen regelt, die Mietpreisbremse will es zerstören. Sie ist das Tempolimit für drinnen, bremst die Mobilität der Obdachlosen aus, nimmt dem Mikroapartment die Wachstumschance beim Mietumsatz. So wird der Insassin das Gefühl verwehrt, qua stattlicher Miete fürstlich zu logieren. Nur bei ungebremstem Mietpreis lässt sich mit dem Wucher wuchern.

Im Idealfall ist die Angst komplett aus sich selbst gemacht, braucht keine unterdrückten Kopftuch-Muslima und keine bedrohliche Nazikeule. Einfach keine Angst vor der Angst haben bzw. doch.

6. Ist ein Fragezeichen im Titel zulässig?


Ist es unstrittig, dass die Möglichkeit des Streitens eine Demokratie ausmacht? Sollte man bei der Penisschau gemeiner Meinungen genau hingucken? Gehört in Anbetracht argumentativer Nacktheit Kreide gefressen? Ist es wegweisend, dem Mob den Weg nach Hause zu weisen?

Gehört ausgegrenzt, wer sich schon selbst aus der demokratischen Grundordnung ausgrenzt? Darf selbstauferlegte Dummheit diese Linie verschieben? Ist Zivilisationsverachtung erlaubt, wenn man ein Fragezeichen dahinter setzt? Taugen Fragezeichen zum Verstecken der eigenen Meinung? Hat Captain Obvious offensichtlich Recht? Ist es okay, jetzt hä!? zu denken?

Würden Sie am Ende dieses Texts das Anzweifeln generell hinterfragen? Finden Sie Beiträge besser, die Ihnen die Fragezeichen einfach wegnehmen? Müssen Sie den Knoten in ihrem Kopf jetzt auflösen, oder dürfen Sie ihn zerschlagen?

 

7. Humorkonsens


Bei Humor hört der Spaß auf. Ohne verbindliche Kriterien der Witzherstellung lachen Menschen einfach über irgendwas, und das finden dann andere nicht lustig.

Komik muss barrierefrei und vegan sein, Gedankengebäude zementieren, Weltbilder nachzeichnen, Ressentiments wachklopfen und etwas für d̵e̵n̵ ̵K̵o̵p̵f̵ die Schenkel tun. Ein Scherz hat korrekt zu sein, ohne dermaßen recht zu haben, dass er Missstände gefährdete. Die Komiknehmenden sind abzuholen, wo sie im Leben stehen geblieben sind. Ein guter Witz reift lange und pflegt seinen Bart.
 

Was darf Satire? Satire darf das Gegenteil des Gemeinten sagen, wenn sie dies dazu sagt. Sie darf wehtun, wenn ihre Zielscheibe das Einverständnis erklärt. Gespeist aus der Ohnmacht der Mächtigen, Himmelschreiendes zu ändern, zielt sie von oben nach unten. Satire integriert durch die Diversität ihrer Missdeutungen. Ihre Mission lautet, alle Wutbetroffenen zusammen zu bringen - in dem Bahnhof, den sie verstehen.


 

8. Meinungsmeinung

Der Denkschwache darf nicht auch noch Meinungsschwächling sein, eine Auffassungsschwäche einer Auffassung nicht entgegen stehen. Jede ist angehalten, mit ihrem Dafürhalten dagegen zu halten. Sich mit den gemein Meinenden gemein zu machen!
Eine Ansicht entsteht ohne Ansicht der Gemeinten. Meinungs-Exhibitionismus findet Gehör, wenn man dazu noch meint, dass man seine Meinung nicht sagen dürfe. Widersprüche sind kein Problem, solange widersprochen wird! D̵e̵m̵o̵n̵s̵t̵r̵a̵t̵i̵o̵n̵e̵n̵ Meinungsmessen akzeptieren nur Fachbesucher — Menschen, die selbst ein Ansichts-Produkt zur Schau stellen. Schlussendlich darf alles gemeint werden - außer: Es ist nicht so gemeint!

 

Alternativmeinung zur Sicherung der False Balance:

Richtig und falsch sind nr die zwei Seiten einer auf den Kopf gefallenen Medaille. Zielen rhetorische Fragen überhaupt auf eine Antwort ab? Endet auch noch dieser letzte Satz mit einem Fragezeichen??

9. AUTOS UND MOBILéS

 

Autos machen einen zum Autor automobiler Träume — und sind Vehikel zur Erfüllung dieser. Ein Kraftfahrzeug mit 20 PS gewinnt eine Karambolage gegen eine Kutsche mit 20 Pferden. Im Zweikampf gegen einen ausgewachsenen SUV gerät ein Normalauto unter die Räder.
Wer sich im Unfall-Fall als Einzelfahrer gegen einen vollen Kleinwagen durchsetzt, vergrößert sein Selbstbewusstsein. Dann fahren drei Personen mit: me, myself and I. Ja zu Car-Sharing, aber individuell! Fahrlässigkeit erhöht den Spaß dabei. Grobe Fahrlässigkeit jedoch: zum Rauchen die Hände vom Steuer nehmen und dabei Schnaps trinken. Also am Lenkrad bleiben, denn autonomes Fahren ist für Autonome und Linksüberholer.
 

Doch die Zukunft der Mobilität ist Immobilität, sind Mobilés aus Autos.  Autogerechte Immobilien und Wohnungen ausreichender Fläche.

10. Das Mimikry des Mimini

 

Unverträglichkeiten von Kritik, Gegenwind und Fußball-Niederlagen greifen auf dich über, erwecken dein eigenes Potenzial, überempfindlich zu sein. Außerhalb der Komfortzone droht das Lebensrisiko. Drinnen hüllt Zuckerwatte deine dünne Haut ein.

Kritik gehört weich in Lob verpackt. Die Mischung macht's: hartes Lob und zarte Kritik! Selbstlob gebührt dir dafür, dass du nicht in die Falle läufst, robuster zu werden. Sonst wäre es Essig mit dem Sauertopftum. Sonst könntest du nicht mehr makrosensibel auf Mikroaggression reagieren.

Ganz sicher bist du nur, wenn du nichts und niemanden an dich heranlässt. Nun musst du nur noch die Konflikte in dir vermeiden. Und dich von der Enge deines Schneckenhauses angegriffen fühlen!

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